Erste Plenarversammlung im Jahr 2022

National
Pfarrer Pierre-Yves Maillard, zukünftiger Präsident der AGCK.CH

Am 15. Juni 2022 fand in den Räumlichkeiten der Universität Freiburg i.Ü auf Einladung von
Prof. Dr. Barbara Hallensleben die erste Plenarversammlung (Legislativgremium) der AGCK Schweiz im Jahr statt. Traditionell begann die Versammlung mit einem Moment der Besinnung und des Gebets, der von der Gastgeberin in der Kapelle der Universität Freiburg gestaltet wurde.

Prof. Barbara Hallensleben lud die Teilnehmenden ein, über drei der Verpflichtungen (erneut) nachzudenken, die sich die Mitgliedskirchen der AGCK.CH bei der Ratifizierung der Europäischen Charta Oecumenica im Jahr 2005 gegeben haben: auf die sichtbare Einheit der Kirche Jesu Christi hinzuwirken, Sebstgenügsamkeit zu überwinden und Vorurteile zu beseitigen und jeder Form von Nationalismus entgegenzutreten.

Diese Verpflichtung gewinnt heute, mehr als 20 Jahre nach Veröffentlichung der Charta Oecumenica, an Bedeutung, herrscht doch ein Krieg praktisch vor unserer Haustür. Während des kurzen thematischen Teils kam die Versammlung in den Genuss von Professorin Hallenslebens Fachkenntnissen im Bereich der Ostkirchen und der Orthodoxie. Zusammen mit Pfarrer Dr. Stefanos Athanasiou (er vertritt das Ökumenische Patriarchat in der AGCK.CH) präsentierte sie uns Auszüge aus der «Sozialkonzeption der Russisch-Orthodoxen Kirche» (Moskau, 2000) und dem «Sozialethos der Orthodoxen Kirche» (Istanbul, 2020, verfasst von Fachleuten aus der orthodoxen Diaspora) zu Krieg, Gewalt und Frieden. Dass sich die orthodoxen Kirchen theologisch zu sozialen Fragen äussern, ist ein relativ neues Phänomen. Nach orthodoxem Verständnis ergibt sich das Ethos aus der Spiritualität, nicht aus Dokumenten.

Dass das konkrete Handeln der Kirchen nicht immer mit ihren Werten übereinstimmt, ist nicht überraschend. Frau Hallensleben erinnerte daran, dass auch jede und jeder als Christin und Christ nicht immer in Übereinstimmung mit der Botschaft des Evangeliums handle. Das «Ethos» gibt die Richtung vor: «Der Krieg ist die physische Erscheinungsform der verborgenen geistigen Krankheit der Menschheit, des brudermordenden Hasses. [] Die Kirche widersetzt sich der Kriegs- und Gewaltpropaganda …» (Sozialkonzeption der Russisch-Orthodoxen Kirche).

Statutarische Themen
Die Plenarversammlung hat:

  • die Jahresrechnung 2021 und das Budget 2023 der AGCK Schweiz verabschiedet;
  • Abbé Dr. Pierre-Yves Maillard, Vertreter der Schweizer Bischofskonferenz, einstimmig zum Präsidenten der AGCK.CH für die Jahre 2023 – 2024 gewählt, im Einklang mit dem Turnus im Präsidium zwischen der Römisch-katholischen Kirche, der Evangelisch-reformierten Kirche und einer «kleineren» Kirche;
  • die Neuapostolische Kirche einstimmig zum Mitglied der AGCK.CH ernannt;
  • beschlossen, ein «Global Christian Forum» nach dem Modell des «Forum chrétien romand» von 2021 in der Deutschschweiz zu organisieren; der nächste Schritt ist die Bildung eines Organisationskomitees; die Theologin Anne-Cathy Graber, Mennonitin und Mitglied von Chemin-Neuf, wird zur Plenarversammlung im November eingeladen. Sie ist Mitglied des Komitees des Globalen Christlichen Forums.

Eine religiöse Bildungseinheit im Freien
Am Ende des Mittagessens und vor der Wiederaufnahme der Debatten führte Frau Hallensleben zu einem für Uneingeweihte verborgenen Schatz: ein Wandgemälde an einem Haus in der Tradition der rumänisch-orthodoxen Moldauklöster. Eine echte Katechesestunde in einem Garten, mit den enthusiastischen Erklärungen einer Fachfrau.