Das erste «Global Christian Forum» in der Westschweiz ist am 13. Oktober in Leysin (VD) zu Ende gegangen und die Teilnehmenden sind begeistert. «Dieses Forum hat uns daran erinnert, dass das, was uns eint, viel stärker ist als das, was uns trennt: Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, vom Vater gesandt und Geber des Heiligen Geistes, um uns in ihm zu vereinen», berichteten die Teilnehmenden einstimmig. Jesus Christus lehrt uns, Gott an die erste Stelle zu setzen, ihn über alles zu lieben und sein neues Gebot der gegenseitigen Liebe zu leben.

Nicht ich habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt (Joh 15,16)
Leitvers des Forums

Die Gründer des «Global Christian Forum» (GCF) – die Initiative ergriff der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) –, auf dessen Modell dieses Forum in Leysin basiert, wurden von Anfang an von der Frage geleitet: Wer fehlt am Tisch? Welche Kirchen sind auf ökumenischen Plattformen, egal auf welcher Ebene, nicht vertreten? Bei der Gründung des GCF wollten sie zu gleichen Teilen (50:50) die so genannten historischen Kirchen (die Mitglieder des ÖRK sind oder mit ihm regelmässig im Austausch stehen), und die anderen, (evangelische, pfingstliche oder charismatische Kirchen, die nicht vertreten sind) an einen Tisch bringen. Es geht nicht darum, theologische Streitfragen zu klären, sondern – als ersten Schritt, ohne den keine weiteren möglich sind – sich gegenseitig als Frauen und Männer zu entdecken, die ihr Leben in Christus setzen.

Dieser Ehrgeiz hat auch das Organisationsteam des Forums, zu dem die AGCK Schweiz gehörte, beflügelt, das gerade in Leysin zu Ende gegangen ist. Die meisten von ihnen waren 2018 von ihren Kirchen am ersten «Forum chrétien francophone» in Lyon delegiert worden und waren begeistert von der Originalität und Relevanz des vom GCF entwickelten Ansatzes nach Hause zurückgekommen. So wurde im Februar 2019 entschieden, ein solches Forum in die Westschweiz anzubieten. Das erste Forum chrétien romand fand vom 10. bis 13. Oktober 2021 statt.

Obwohl das 50:50-Ziel für diese Ausgabe in Leysin nicht erreicht wurde, entsandten einige Kirchen zum allerersten Mal eine Vertretung. Dies ist ein grosser Schritt nach vorn und wird hoffentlich zum Entstehen dauerhafterer Beziehungen führen. Zum Zeitpunkt der Bewertung bewies der Enthusiasmus, trotz einzelnen Befürchtungen (versteckte Absichten?), der etwa 60 Personen, die am ganzen Forum teilnahmen, einmal mehr: Die Intuition der Gründer des GCF ist richtig, der Weg zur Einheit besteht darin, sich gegenseitig als Christmenschen kennenzulernen. So sagte ein Teilnehmer: «Nach drei Tagen kenne ich die Teilnehmenden besser als manche Leute, denen ich seit Jahren in ökumenischen Gremien begegne».

Vertreterinnen und Vertreter von vielen Kirchen – römisch-katholischer, christkatholischer, reformierten, orthodoxen, anglikanischer, Freikirchen, pfingstlichen, Adventisten, Heilsarmee, Baptisten und Mitglieder von Gemeinschaften und Bewegungen – kamen zusammen, indem sie in kleinen Gruppen ein persönliches Zeugnis ihres Glaubensweges ablegten und das, was sie verbindet, in den Vordergrund stellten.

In einem gemeinsamen Text («Échos du Forum») rufen sie ihre Kirchen, Gemeinschaften und Bewegungen dazu auf, «es zu wagen, die Grenzen, die uns trennen, zu überschreiten, um in liebender Gemeinschaft Zeugnis von Christus zu geben, der uns befreit und will, dass alle zur Erkenntnis seiner Wahrheit kommen».

«Wir sind auf den Berg gegangen, nicht um unsere theologischen Differenzen zu klären, sondern um uns besser kennen zu lernen und uns vom Heiligen Geist berühren zu lassen. So viele Dinge scheinen uns zu trennen; wir haben oft Bilder von anderen, die nicht der Wahrheit entsprechen. Wir vergessen unsere gemeinsamen Wurzeln und dass wir in ein und demselben Haus leben: wir sind «Gottes Volk (1 Pe 2,5-10)».

Die unterschiedlichen kirchlichen und theologischen Sensibilitäten kamen auch in den Gebeten und der Vielfalt der musikalischen Traditionen zum Ausdruck, in den Zeiten des Austauschs, den Workshops, den biblischen Meditationen (zum Leitvers des Forums, Joh 15,16) und während der öffentlichen Feier in Aigle.

Die Entdeckung anderer christlicher Gemeinschaften erfolgte auch durch den Besuch von kirchlichen Stätten in der Region. Der Reichtum und das Engagement für das Gemeinschaftsleben, das Gebet und die Ausbildung sowie die gemeinsamen Aktionen mehrerer Kirchen sind Quellen der Inspiration für jede einzelne.

Flyer des Forums
Échos du forum, à l’intention des Églises et communautés, English Version
Summary in English
Interview von Huibert van Beek (FCM) und Catherine Wüthrich (RES) (Radio R)
Interview von Huibert van Beek (ProtestInfo)
Artikel in Riviera Chablais
Mitteilung des Réseau évangélique suisse

Webseite des Global Christian Forum (in English)

Ansatz eines Forums

  • In kleinen Gruppen, in drei Schritten, erzählt jede Person in sieben Minuten ihren «Weg mit Jesus Christus». In einer Zehner-Gruppe sind das für jede, für jeden sieben Minuten zum Sprechen und 63 Minuten zum Zuhören.
  • In einem zweiten Schritt wird in derselben Gruppe über die Resonanz des Gehörten ausgetauscht.
  • In der dritten Phase schliesslich werden sich die Mitglieder der Gruppe fragen, wie sie gemeinsam Zeugnis ablegen können, wie sie «hingehen und Frucht bringen» können (das Hauptanliegen eines Forums).

Méthodologie des témoignages de foi