Charta Oecumenica

Zweite, aktualisierte Fassung

Am 5. November 2025 unterschrieben der Präsident der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), Erzbischof Nikitas, und der Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), Erzbischof Gintaras Grušas, in Rom eine neue Fassung der Europäischen Charta Oecumenica. Dieses Dokument ist eine Aktualisierung der «Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa», da sich Europa, die Kirchen und die Ökumene seit der Unterzeichnung der Charta im Jahr 2001 weiterentwickelt haben.

Die überarbeitete Charta entsteht in einem Kontext, in dem sich die europäische Bevölkerung der Verletzlichkeit des Kontinents bewusst wird. Die Gesellschaft und die Kirchen Europas sind mit der Digitalisierung vieler Bereiche und oft hitzigen Debatten über Gender, menschliche Sexualität oder Familienmodelle konfrontiert. Migrationsphänomene gewinnen an Bedeutung und lösen überall in Europa grosse Ängste und/oder Ablehnung aus. Die Säkularisierung schreitet voran, wobei das Tempo und die Modalitäten je nach Land unterschiedlich sind. Neue kirchliche Gemeinschaften gewinnen an Bedeutung (Pfingstkirchen, charismatische  und evangelische Freikirchen und Gemeinschaften). Die ökumenische Zusammenarbeit schreitet fast überall voran. Daher ist es notwendig, die Charta zu aktualisieren, damit sie ihre ökumenische Relevanz behält.

Rom, 5. November 2025 | Unterzeichnung der Charta durch die auftraggebenden Institutionen, links Erzbischof Guntaras Grušas, Präsident des CCEE  und rechts Erzbischof Nikitas von Thyateira und Grossbritannien, Präsident der KEK | © Bilder: Verena Hammes, ACK Deutschland

Chronologie

Die Charta in Kürze

2001: Publikation der Europäischen Charta Oecumenica

2023: Die KEK und der CCEE richten eine Redaktionsgruppe ein, die mit der Überarbeitung der Charta Oecumenica von 2001 beauftragt ist.

2024: Vernehmlassung  zum Revisionsentwurf , das laut Angaben des Redaktionsteams zu 450 (!) Seiten sehr konstruktiver Kommentare von mehr als 70 Kirchen oder Privatpersonen aus ganz Europa führte.

Frühling 2025: Die Redaktionsgruppe stellt die neue Fassung  fertig, welche noch in diesem Jahr, in dem des 1700. Jahrestags des ersten Ökumenischen Konzils von Nicäa (325) gedacht wird, unterzeichnet werden soll.

5 November 2025: Es ist so weit, die Charta Oecumenica wird in Rom unterschrieben.

Die Charta Oecumenica ist ein europäisches Dokument, das die ökumenische Zusammenarbeit unter den Kirchen und somit ihren «Auftritt als «eine Kirche» fördern will. Die Charta schlägt den Kirchen Selbstverpflichtungen vor in Bezug auf die Beziehungen der Kirchen untereinander und gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen, ihre Mission in der Gesellschaft und für die Welt. Das Dokument hat keinen verbindlichen rechtlichen Charakter, sondern versteht sich als Aufruf, eine ökumenische Grundüberzeugung in die Praxis umzusetzen und gemeinsame Ziele zu verfolgen. Die Charta war 2001, als die erste Fassung publiziert wurde, ein wichtiger Meilenstein in der Ökumene und bleibt einen Anstoss für Begegnungen, Gespräche und gemeinsame Projekte unter den Kirchen auf allen Ebenen, lokal, regional oder national. Sie wurde im Geist der Europäischen Ökumenischen Versammlungen von Basel (1989) und Graz (1997) erarbeitet und 2025 aktualisiert.

Was neu ist

Was geblieben ist

  • Die Sprache ist prägnanter und direkter.
  • Die ökumenischen Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte wurden berücksichtigt.
  • Neue Absätze zu aktuellen Themen wie Frieden, Migration, Digitalisierung, Europa und Welt. So unterliegt die gemeinsame Verantwortung für Europa nun zwei Leitlinien (III Begegnungsräume und IV Felder für gemeinsame Verantwortung und gemeinsames Engagement in Europa). Daraus ergeben sich ausführlichere Verpflichtungen als in der ersten Fassung.
  • Platz für junge Menschen: Ein Kapitel [Nr. 6] fordet dazu auf, junge Menschen, ihre Erfahrungen und Erwartungen in alle Aspekte des kirchlichen Lebens einzubeziehen, wobei die Autoren  betonen, dass junge Menschen nicht nur die Zukunft, sondern auch die Gegenwart der Kirchen und der Ökumene sind.
  • Der Eröffnungsssatz der Charta über das Glaubensbekenntnis der Kirche aus dem Nicäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis
  • Das Ziel der Charta, die in einer sich wandelnden Welt ihre Relevanz behalten soll. Das Dokument unterstreicht die «grundlegenden ökumenischen Verantwortlichkeiten aller Kirchen in Europa», aus denen sich die Verpflichtungen ergeben, zu denen die Kirchen in ihrem regionalen Kontext aufgefordert sind.
  • Die Doppelstruktur mit einer theologischen Begründung und Verpflichtungen.
  • Die Bibelverse, die die Leitlinien der Charta einleiten.

CHARTA OeCUMENICA

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Synopse 2001/2025 | PDF (ACK Deutschland)

Rezeption der charta

Die Unterzeichnung der Charta in Rom darf nicht das Ende des Rezeptionsprozesses bedeuten, ganz im Gegenteil: Sie muss der Beginn einer viel wichtigeren Etappe sein, nämlich der Umsetzung des Dokuments in jedem einzelnen Land Europas. Die Kirchen und ökumenischen Akteurinnen und Akteure sind aufgefordert, sich aktiv vor Ort (oder in ihrem Wirkungskreis) zu engagieren, da die Bedürfnisse und Möglichkeiten von Region zu Region sehr unterschiedlich sein können.