Die Wurzeln der Neuapostolischen Kirche reichen bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück, in die Zeit der Erweckungsbewegungen in England und Schottland. Ein zentraler Gedanke dieser erweckten Kreise war die baldige Wiederkunft Jesu Christi und der Bereitung gläubiger Christen auf dieses Ereignis hin. 1863 ist sie aus der Katholisch-Apostolischen Gemeinde entstanden. Die Neuapostolische Kirche befindet sich heute auf dem Weg in die Ökumene.

In der Schweiz: Zwischen 2002 und 2007 diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der Neuapostolischen Kirche Schweiz (NAK) und der AGCK Schweiz über die Theologie- und Glaubensfragen, welche die Neuapostolische Kirche mit den anderen christlichen Kirchen binden oder sie eben von ihnen trennen. In diesen Jahren wurde eine zunehmende ökumenische Öffnung der NAK festgestellt. Am 28. November 2007 beschloss das Präsidium der AGCK.CH eine ordentliche Gesprächskommission AGCK.CH – NAK Schweiz zu bilden, um den Dialog auf Augenhöhe weiterzuführen.

Die paritätisch dotierte Gesprächskommission hat folgenden Auftrag: Sie „prüft, ob und in welcher Form eine zwischenkirchliche Zusammenarbeit zwischen der NAK Schweiz und den in der AGCK Schweiz organisierten Kirchen sinnvoll und möglich ist.“

Die Gesprächskommission ergründet:

  • ob die NAK Schweiz bereit ist, die Charta Oecumenica zu unterschreiben; die NAK anerkennt schon die Charta für ihren Weg zur Ökumene;
  • ob die NAK Schweiz in der Lage ist, die Verpflichtungen der Charta umzusetzen;
  • ob die Unterschiede zwischen der NAK-Lehre und –Praxis zu den AGCK-Kirchen zu Konflikten und Unverträglichkeiten führen könnten; hier muss auch berücksichtigt werden, dass die Lehre und Praxis unter den Mitgliedkirchen der AGCK.CH nicht einheitlich ist.

Am 9. April 2014 erhielt die NAK Gaststatus in der AGCK Schweiz. Der Entscheid der Plenarversammlung der AGCK.CH wurde positiv und wohlwollend wahrgenommen. Auch unsere Nachbarländer Deutschland und Österreich sind daran interessiert, wie sich die Beziehungen zur NAK in der Schweiz weiterentwickeln. Die NAK ist übrigens auch Gast in einzelnen kantonalen Arbeitsgemeinschaften christlicher Kirchen. Es ist das erste Mal überhaupt, dass die AGCK.CH eine so intensive und lange Gesprächsphase mit einer Kirche gestaltet, auch nach der Erteilung des Gaststatus.

Wichtig ist, was aus dem Gaststatus gemacht wird. Der Weg zu- und miteinander, auf Gemeinde-, Kantons- und Nationalebene soll erleichtert, Missverständnisse vorgebeugt und Beziehungen aufgebaut werden. Dazu wurde in Dezember 2015 ein Flyer veröffentlicht, der Möglichkeiten der praktischen Zusammenarbeit mit der NAK aufzeigt.

Am 15. Mai 2019 legte die Gesprächskommission  der Plenarversammlung der AGCK.CH einen Schlussbericht vor. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt des Berichts auf den Jahren 2013 bis 2019 und den in dieser Zeit erarbeiteten Unterlagen und weiterentwickelten Beziehungen. In dieser Zeit wurde die NAK in vielen ökumenischen Gremien sowohl in der Schweiz wie im benachbarten Ausland Vollmitglied oder erhielt einen Gaststatus. Die Gesprächskommission hält fest, dass die Entwicklung innerhalb der NAK als nachhaltig beurteilt werden kann.

Deutlich ist, dass das Spektrum von theologischen Vorstellungen innerhalb der AGCK.CH durch die NAK vergrössert wird. Es gibt jedoch keine extremen Positionen, die eine fruchtbare Zusammenarbeit stören würden. Aus Sicht der Gesprächskommission steht einer Vollmitgliedschaft der NAK bei der AGCK.CH nichts im Wege. Mit der Entgegennahme des Berichtes wird die Arbeit der Gesprächskommission beendet.