Die am 26. Februar startende Ökumenische Kampagne widmet sich dieses Jahr dem Thema Saatgut. In der Bibel werden Samen als Geschenk Gottes dargestellt. Sie sind in vielen indigenen Kulturen heilig. Das ist kein Zufall: Saatgut ist ja das erste Glied in unserer Nahrungskette! Die Kampagne wird bis Ostern mit einer Vielzahl von Aktivitäten fortgesetzt.

Siebzig Prozent der Lebensmittel werden weltweit von Kleinbäuerinnen und -bauern produziert, die auf bäuerliches Saatgut angewiesen sind. „Bäuerlich“ heisst, dass die Bäuerinnen und Bauern zum Aussäen, jeweils auf Samen aus der vorherigen Ernte zurückgreifen, dieses immer wieder an die lokalen klimatischen Gegebenheiten anpassen, tauschen und verkaufen. Diese Art von Landwirtschaft ist bedroht – obwohl sie eine Antwort auf den Klimawandel sein könnte und auf Jahrtausende altem Wissen beruht.

Ein guter Grund für Brot für alle und Fastenopfer, sich zusammen mit der Partnerorganisation Partner sein für ein zukunftssicherndes Landwirtschaftsmodell zu kämpfen: Während Saatgut und traditionelles Wissen seit immer der Garant für eine vielfältige und nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung sind, setzen globale Konzerne die Züchtungen der Bäuerinnen und Bauern stark unter Druck. Um die Entwicklung von Hochertragssorten zu gewährleisten, fordern grosse Saatgutunternehmen und Freihandelsabkommen strenge Saatgut- und Sortenschutzgesetze. Auch die Schweiz verlangt in Verhandlungen über Freihandelsabkommen mit Entwicklungsländern immer wieder die Einführung strenger Sortenschutzgesetze. Sie sollen sich nach dem Internationalen Übereinkommen zum Schutz von Pflanzenzüchtungen richten (UPOV 91). Dieses verbietet Bäuerinnen und Bauern den Verkauf und Tausch von geschützten Sorten. Auch der Wiederanbau auf dem eigenen Hof von ausgewählten Nutzpflanzen ist eingeschränkt. Davon profitieren vor allem Agrarkonzerne. Die Bauern werden am Austausch und Verkauf ihres Saatguts gehindert und gezwungen, Saatgut von grossen Konzernen zu kaufen. Der Bauernfamilien wird eine zentrale Grundlage ihrer Ernährung aber auch ihrer Identität entzogen.

Menschenrechte und Nachhaltigkeit bleiben dabei meist auf der Strecke. Für die Hilfswerke Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein ist das inakzeptabel: Das Übereinkommen untergräbt das Recht auf Nahrung und steht im Widerspruch zu der auch von der Schweiz unterstützten UN-Deklaration für die Rechte der Bäuerinnen und Bauern. Bauernfamilien aus allen Regionen der Welt, Partnerorganisationen im Süden und Schweizer Organisationen werden deshalb einen Brief an das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) schicken und eine Agrarpolitik fordern, die die Rechte der Bauern respektiert. Saatgut gehört den Bauernfamilien und ist ein bäuerliches Grundrecht!

Es darf kein Monopol auf Saatgut geben. Heute kontrollieren drei Konzerne 60% des kommerziellen Saatgutsmarktes. Die Vielfalt nimmt drastisch ab, drei Viertel der Sorten sind in den letzten 100 Jahren ausgestorben.

Die Ökumenische Kampagne wurde mit dem Oecumenica Label der AGCK.CH für vorbildliche ökumenische Projekte auszeichnet. Sie findet zum 51. Mal statt.

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