Am 2. Dezember fand über Mittag zur Eröffnung der neuen Legislatur der eidgenössischen Räte ein ökumenischer Gottesdienst für Parlamentarierinnen und Parlamentarier sowie deren Angehörigen und Freunde im Berner Münster statt. Pfarrer Daniel de Roche, Präsident der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz, sagte in der Begrüssung, dass in diesem Gottesdienst Atem geholt werden könne für Körper, Seele und Geist. Gestaltet wurde die Feier von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz AGCK.CH.

Lisa Mazzone (Die Grünen, GE) und Alex Kuprecht (SVP, SZ) richten bei dieser Feier einige Worte an ihre Ratskolleginnen und -kollegen. Die neu gewählte Ständerätin schilderte, wie sie durch Kinderbücher zu biblischen Geschichten mit Werten wie Liebe und Respekt geprägt worden sei. Sie erwähnte die Geschichte vom barmherzigen Samariter, der über gesellschaftliche Grenzen hinweg einem Verletzten geholfen hat oder jene vom Zollbeamten Zacharias, der auf einen Maulbeerbaum gestiegen ist, um Jesus zu sehen und wie Jesus keine Berührungsängste mit dem Vertreter dieses verachteten Teils der Bevölkerung hatte. Als Parlamentarierin müsse man auch Unterschiede akzeptieren und sie liebe es, in Respekt mit anderen zusammenarbeiten, so Mazzone.

Alex Kuprecht, ist seit 16 Jahren Mitglied der Bundesversammlung. Als Ständeratsmitglied sei man der „verlängerte Arm“ der Bevölkerung des Herkunftskantons und trage damit auch Verantwortung. Er erlebe aber auch den Zwiespalt zwischen der eigenen Meinung und jener der eigenen Partei. Kuprecht ermutigte die Parlamentarier und Parlamentarierinnen, sich gelegentlich auch gegen die Meinung der eigenen Partei zu stellen. Es gelte an dem, was frühere Generationen geschaffen hätten, in Dankbarkeit und Verantwortung weiter zu arbeiten. Ein politisches Mandat sei auf Zeit gegeben, deshalb solle man sich nicht zu wichtig nehmen, sagte Alex Kuprecht.

Auf alles vorbereitet, „nur nicht auf Kerzen und Gebete“
Die Theologieprofessorin Barbara Hallensleben, Universität Freiburg, sprach in der Kurzpredigt zur Aussage des Apostels Petrus: „Wir erwarten gemäss seiner Verheissung einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt“ (2. Petrusbrief 3,13). Der christliche Glaube habe die politische Tätigkeit geadelt, so Hallensleben. Sie zitierte den jüdischen Religionsphilosophen Franz Rosenzweig mit der Aussage: «Das Gebet stiftet die menschliche Weltordnung», weil das Gebet, nach Rosenzweig, von der Begrenztheit des Augenblicks befreit und einen völlig neuen Horizont auftut.

Dies habe sich 1989 bei der Ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung „Frieden in Gerechtigkeit“ in Basel gezeigt. Der Marsch durchs Dreiländereck Deutschland – Frankreich – Schweiz habe viele Teilnehmende beeindruckt, vor allem jene aus der damaligen DDR, die auch in Leipzig aktiv gewesen seien. Christen seien dann im Herbst 1989 massgeblich daran beteiligt gewesen, dass die Mauer gefallen sei. Horst Sindermann vom SED-Zentralkomitee habe Jahre später bekannt, dass sie auf alles vorbereitet gewesen seien „nur nicht auf Kerzen und Gebete“.

Zwischen der Verheissung einer neuen Erde und den Rückschlägen bestehe eine Lücke, so die Theologieprofessorin, die auch das Gebet nicht schliessen könne. Gott sei in Jesus Mensch geworden und sei in diese Lücke getreten. Der Apostel Johannes habe im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, die Erfüllung der Verheissung der neuen Erde gesehen, wo sich Frieden und Gerechtigkeit umarmten.

Musikalisch wurde der Anlass vom Münsterorganisten Daniel Glaus und einem Ensemble der serbisch-orthodoxen Kirche begleitet.

© Adventistischer Pressedienst APD
Fotos: Christoph Knoch (ausser Bild rechts)

Reportage im Berner Pfarrblatt
Reportage von kath.ch