1700 Jahre Glaubensbekenntnis von Nizäa

Im Jahr 2025 erinnert die Gemeinschaft der Christinnen und Christen weltweit an das erste Ökumenische Konzil im Jahre 325 in Nizäa. So auch im Berner Münster.

Ökumenische Vesper am 1. Juni 2025 im Berner Münster | © Christoph Knoch, Bern

Dieses Jubiläum wurde von den Kirchen der Schweiz am 1. Juni 2025 im Berner Münster auf Einladung der AGCK Schweiz  in Erinnerung gerufenUnter den 400 Mitfeiernden aus allen Kirchen und Gemeinden waren zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kirchenleitungen. Pfarrer Jerry Pillay, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, predigte über Epheserbrief 4, 1-6, 15-16.

Nach der Predigt wurde das im Brief erwähnte «Band des Friedens» durch das Kirchenschiff von Hand zu Hand weitergegeben bis alle Anwesenden miteinander verbunden waren. Während dieser starken Symbolhandlung sprachen sieben Persönlichkeiten unterschiedlicher Konfessionen über ihren Glauben. Darauf stimmte die ganze Gemeinde ins Glaubensbekenntnis ein, Mittelpunkt und Zentrum der Feier. Die Musik trug wesentlich zum Gelingen der ökumenischen Vesper bei: Münsterorganist Christian Barthen an Orgel und E-Piano, Kurt Meier leitete die Gregorianische Schola der Dreifaltigkeitskirche Bern, Olivera Sekulić erfüllte mit dem serbisch-orthodoxen Chor «Bogorodičin» aus Zürich das Münster mit berührenden Klängen, Florian Kirchhofer gelang es mit einem Ad-hoc-Chor der Kirchgemeinden und Pfarreien Murten, Bellach und Langendorf die ganze Kirche zum Singen zu bringen.

Predigt von Jerry Pillay | deutsch
Grusswort Seiner Heiligkeit Bartholomaios, Ökumenischer Patriarch in Konstantinopel
Sieben kurzen Statements über den Glauben | deutsch und französisch

Fotogalerie (© Christoph Knoch)

Historischer Rückblick

Das Osterdatum
Das Konzil von Nizäa stellte die Regel für die Berechnung des Osterdatum. Aufgrund unterschiedlicher Berechnungen fällt Ostern in der Regel nicht in allen Kirchen am gleichen Datum. Es trifft sich, dass im Jubiläumsjahr von Nizäa das Osterfest zeitgleich in der Ost- und in der Westkirche gefeiert wird: am 20. April 2025.

Häufig gestellte Fragen zum Osterdatum | Webseite ÖRK
Interview von Jerry Pillay zum gemeinsamen Datum für die Osterfest

Nizäa-Ikone 2025, zeitgenössisch gemalt von Anastasios Voutsinas und Eleni Voutsina, Thessaloniki 2024
© Griechisch-Orthodoxe Kirchengemeinde Christi Himmelfahrt zu Berlin

Im Jahr 325 ereignete sich in Nizäa – Iznik in der heutigen Türkei – ein ausserordentliches Treffen.
Etwa 300 Bischöfe aus allen Provinzen des Römischen Reiches («der ganzen bewohnten Erde», also der Oikoumene) berieten zwei Monaten lang über die Grundlagen des christlichen Glaubens. Noch heute bilden die Beschlüsse dieses Konzils die Ankerpunkte christlicher Theologie – und zwar über die Konfessionsgrenzen hinweg. Das Konzil von Nizäa war in der Breite der Teilnehmenden und in seiner Bedeutung für die gesamte Kirche auch damals schon absolut einmalig. Kaiser Konstantin hatte das Konzil einberufen, um den religiösen Frieden in seinem Reich sicherzustellen. Dieser war bedroht, aber nicht durch externe Einflüsse, sondern durch theologische Uneinigkeiten. Dieses Konzil ist ein wesentliches Ereignis in der Kirchengeschichte, sowohl wegen seinen theologischen Inhalten als auch wegen seiner Rolle für ein konziliares Verständnis von Kirchesein.

Der christliche Glaube
Dass wir heute den einen Gott in drei Personen – als Vater, Sohn und Heiliger Geist – ehren, hat entscheidend mit den Beschlüssen des damaligen Konzils zu tun. Das Bekenntnis von Nizäa wurdeim Jahr 381 durch das Konzil von Konstantinopel ergänzt. Dieses (nizäno-konstantinopolitanische) Glaubensbekenntnis wird bis heute gemeinsames Erbe und als Ausdruck des gemeinsamen Glaubens in den meisten Kirchen gebetet.

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Das Verhältnis Kirche – Staat
Das Konzil von Nizäa wurde vom Kaiser Konstantin angeordnet, einberufen und (mindestens teilweise) geleitet. Die Beschlüsse wurden zu Reichsgesetzen.

Im vierten Jahrhundert änderte sich die Stellung des Christentums im Römischen Reich. Es wurde von einer nicht anerkannten Religion, die zeitweise stark verfolgt wurde, durch Erlasse ab 311 zunehmend toleriert und anerkannt und ab 380 schliesslich zur Staatsreligion im Römischen Reich.  Der enge Schulterschluss zwischen Staat und Kirche sollte die weitere Kirchengeschichte über Jahrhunderte in vielfacher Weise prägen.

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