Auftakt in die Schöpfungszeit im Botanischen Garten St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
„Himmel und Erde sollen ihn [Gott] loben, dazu die Meere und alles, was in ihnen lebt.“
(Psalm 69,35)
Mit diesem biblischen Zitat im Ohr startete die diesjährige Schöpfungszeit im Botanischen Garten St. Gallen. Unter dem Motto «Mitenand und Gegenand – Symbiose und Konkurrenz im Pflanzenreich» kamen rund vierzig Interessierte zusammen. Eingeladen hatte die Ökumenische Kommission GFS (Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung) der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen beider Appenzell und St. Gallen.
Faszinierende Welt der Flechten
Den Auftakt machte die Flechten-Fachfrau Monika Orler. Sie erklärte, dass Flechten weder Moose noch Pflanzen sind, sondern eine Symbiose von Pilzen und Algen – eine Lebensgemeinschaft, die Feuchtigkeit und Trockenheit braucht, uralt werden kann und fast überall vorkommt, ausser im Wasser. In der Schweiz gibt es rund 2000 Arten, darunter die geschützte Lungenflechte, die im Kanton Glarus so verbreitet ist, dass Förster bei der Waldbewirtschaftung an ihre Grenzen stossen. Spannend war auch: Flechten richten keinen Schaden an und haben nichts mit Hautflechten beim Menschen zu tun.
Entdeckungen im Botanischen Garten
Bei der anschliessenden Führung öffnete sich der Blick für viele Wunder im Pflanzenreich:
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die weiche Rinde des Mammutbaums,
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„Lebende Steine“ als Vertreter der Sukkulenten,
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Pflanzen, die Wasser nach dem Prinzip eines Lichtschachts speichern,
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Kooperationen von Pflanzen und Ameisen,
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die Ähnlichkeit von Efeublättern und den Flügeln des Zitronenfalters,
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die Lotosblume, deren Blätter Wasser abperlen lassen und die vollständig essbar ist,
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die tropische Stachelseerose mit ihrer Aderstruktur auf der Blattunterseite,
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und die Amazonasseerose, deren Schwimmblätter bis zu 40 Kilogramm tragen.

Foto © Jörg Niederer
Abschluss mit Symbolkraft
Zum Tagesausklang wurde das Thema Miteinander und Gegeneinander aus christlicher Sicht aufgegriffen. Ein besonderes Ritual liess alle Teilnehmenden aktiv mitgestalten: In kleinen Reagenzgläsern sammelten sie Samen, Suppenbuchstaben und Pfefferkörner in verschiedenen Farben und stellten daraus ein buntes, gemeinsames Muster zusammen – ein starkes Bild für Vielfalt und Gemeinschaft.
Musikalisch begleitete die junge Gitarristin Naja Meier den Abend und schenkte der Feier eine besondere Stimmung.
