Gleich mit mehreren aktuellen und gesellschaftlich relevanten Themen hat sich die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Deutschland im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung im September 2019 befasst. Die Mitglieder der ACK sprachen sich spontan für ein gemeinsames Jahresmotto aller ökumenischen Veranstaltungen unter dem Titel „2021: Jahr der Ökumene“ aus. Auch in der Schweiz könnte 2021 als Jahr der Ökumene gefeiert werden.

In Deutschland werden 2021 gleich mehrere, für die Ökumene höchst relevante Ereignisse stattfinden: 3. Ökumenischer Kirchentag in Frankfurt am Main, Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) in Karlsruhe, zudem die Gebetswoche für die Einheit der Christen und ein Ökumenischer Tag der Schöpfung im Dreiländereck zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz auf dem Bodensee. Aufgrund dieser Häufung bedeutsamer ökumenischer Ereignisse sprachen sich die Mitglieder der ACK Deutschland für ein gemeinsames Jahresmotto aller ökumenischen Veranstaltungen unter dem Titel „2021: Jahr der Ökumene“ aus. Das Motto wäre auch in der Schweiz geeignet: 2021 feiert die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz ihr 50. Jubiläum. In der Westschweiz wird ein ökumenisches Forum nach dem Modell des „Global Christian Forum“ auch in 2021 geplant.

Tendenz zur „Archipelisierung“?
Im Rahmen der Mitgliederversammlung der ACK Deutschland referierte Reverend Sören Lenz, Exekutivsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) in Strassburg zum Thema „Kurz vor dem Brexit – nach der Wahl: Europa vor einer Zerreissprobe?“. Anhand der Beispiele der „Gelbwestenbewegung“ in Frankreich, des Brexit und des Erstarkens der AfD in Deutschland arbeitete er heraus, dass sich grössere Teile der jeweiligen Bevölkerung von den politischen Eliten auf nationaler und internationaler Ebene nicht mehr vertreten fühlten. Dabei handle es sich vielfach um Angehörige der Mittelschicht, die von Abstiegsängsten geplagt sei. Deshalb fühlten sie sich von populistischen Unabhängigkeitsbestrebungen angesprochen. Insgesamt, so Sören Lenz, setze sich die Tendenz zur „Archipelisierung“ fort. Menschen bewegten sich zunehmend innerhalb von Gruppen, die ihre eigenen Überzeugungen teilten. Zu dieser „Blasenbildung“ trügen auch die Sozialen Medien wesentlich bei. Zugleich lasse sich auch innerhalb der Kirchen die Tendenz feststellen, dass sie in ihrer Positionierung zu grundsätzlichen Fragen, wie zum Beispiel im Bereich von Ehe und Familie, auseinanderdriften.

Ökumene der Kirchen als gutes Beispiel für internationale Beziehungen zwischen Staaten
Die Kirchen könnten in ihren internationalen Organisationen wie der KEK gleichwohl ein positives Beispiel für ein konstruktives und zukunftsweisendes Miteinander in Europa geben. Sie lebten gerade auf dem Gebiet der Ökumene nach dem Grundsatz der versöhnten Verschiedenheit und der „Einheit in Vielfalt“.

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