ÖRK 2022-2030: Halbzeit auf dem Pilgerweg

International, National

Die AGCK Schweiz und die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz EKS luden am 2. März 2026 zu einem digitalen Austausch, um die Halbzeit zwischen der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Karlsruhe im Jahr 2022 und der nächsten Vollversammlung im Jahr 2030 zu markieren. Rund 60 Personen, die in der ökumenischen Arbeit engagiert sind, trafen sich vor dem Bildschirm, um gemeinsam über die Entwicklungen seit 2022 und die Impulse für die Ökumene in den kommenden Jahren nachzudenken.

Auf dem Programm stand ein Einführungsvortrag des Moderators des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK | Weltkirchenrat), Bischof Heinrich Bedford-Strohm. Er griff das Thema der 11. Vollversammlung in Karlsruhe auf: «Die Liebe Christi führt die Welt zu Versöhnung und Einheit». Er stellte klar, dass «es sich bei diesem Motto nicht um eine sichtbare empirische Wahrheit handelt. Aber die Menschen aus den Kirchen der Welt, die sich in Karlsruhe versammelt und unter dieses Motto gestellt haben, hat die tiefe Überzeugung ihres christlichen Glaubens verbunden, dass es noch keine empirische Wahrheit ist. Sie vertrauten darauf, dass Gottes Wege mit dieser Welt nicht in die Finsternis führen, sondern in einen neuen Himmel und eine neue Erde.» In seinem Einführungsvortrag gab Bedford-Strohm einen Überblick über alle (die meisten) Themen, mit denen sich der ÖRK befasst, und die sind zahlreich. Die ökumenische Vision, die die programmatische Linie in der Zeit bis zur nächsten Vollversammlung prägen soll, ist die der Ökumene des Herzens.

Ein Schwerpunkt lag unter anderem auf dem israelisch-palästinensischen Konflikt, dem Missbrauch von Religion in der Politik oder der ökumenischen Dekade der Aktion für Klimagerechtigkeit (2025-2034), die gerade ins Leben gerufen wurde, um auf die auf der Vollversammlung in Karlsruhe geäusserten Klimabedenken zu reagieren. Sie sei sich «vollkommen bewusst, dass das Zeitfenster für eine verantwortungsvolle Reaktion auf die zunehmende Klimakrise sich schliesst. Es bestand ein klares Bewusstsein dafür, dass die nächsten zehn Jahre darüber entscheiden werden, ob die zerstörerischen Folgen des Klimawandels auf einem erträglichen Niveau gehalten werden können», erklärte er. Die Ereignisse des vergangenen Jahres [2021] hatten auf tragische Weise bestätigt, dass viele Stimmen aus der Vergangenheit, die uns vor unsichtbaren Naturkatastrophen gewarnt haben, Recht hatten.

Bedford-Strohm schloss mit einer Reflexion über den Platz der Kirche auf der Weltkarte: «Es gibt wohl keine Institution, in der die Verwurzelung in lokalen Gemeinschaften bei gleichzeitigem universalem Horizont so zur DNA gehört, wie das bei der Kirche der Fall ist», sagte er. «Es ist die konkrete Erfahrung von Leben in Fülle in Beziehungen vor Ort, verbunden mit einem Sinn für universelle Geschwisterlichkeit, die mich glauben lässt, dass die Kirche eine entscheidende Rolle bei der Heilung der Welt spielt.»

Die methodistische Pfarrerin Sarah Bach, Mitglied der ÖRK-Kommission für Klimagerechtigkeit und Nachhaltigkeit, stellte die Ökumenische Dekade für Klimagerechtigkeit vor. Die reformierte Theologin Emma van Dorp, Mitglied der ÖRK-Kommission für Jugend in der ökumenischen Bewegung und der ÖRK-Kommission für Glauben & Kirchenverfassung, berichtete über die 6. Weltkonferenz und die Rolle junger Theologinnen und Theologen. Der christkatholische Pfarrer Christoph Schuler stellte die Arbeit des Zentralausschusses des ÖRK vor,  dem er angehört. Marianne Ejdersten, Kommunikationsdirektorin des ÖRK, moderierte eine der sieben «Break out Sessions» zum Thema «Digitalisierung und KI in der ökumenischen Bewegung – Chancen, Risiken und Leitlinien». Die anderen Sessions widmeten sich der Frage des Nachwuchses für die Ökumene, der Klimagerechtigkeit/Klimadekade, des Israel-Palästina-Konfliktes, der theologischen Kriegslegitimation, der sichtbaren Einheit nach Nizäa und der Gendergerechtigkeit und Gewaltprävention (Kampagne Thursdays in Black).

Text: Marianne Ejdersten (ÖRK) und Anne Durrer (AGCK Schweiz)
Referat von Heinrich Bedford-Strohm | PDF herunterladen