Zeit für ein seelsorgerisches, vorausschauendes und praktisches Christentum: Eine gemeinsame Erklärung des Ökumenischen Rats der Kirchen und regionaler ökumenischer Organisationen

Gelobet sei Gott und der Vater unsers HERRN Jesu Christi, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unsrer Trübsal, dass auch wir trösten können, die da sind in allerlei Trübsal, mit dem Trost, damit wir getröstet werden von Gott. (2 Kor. 1: 3-4)

Als Vertreter regionaler ökumenischer Organisationen und des Ökumenischen Rats der Kirchen haben wir teil an den Herausforderungen, denen sich unsere Gemeinden rund um die Welt wegen des Coronavirus COVID-19 stellen müssen.

Wir fordern die Menschen überall auf, die Auseinandersetzung mit dieser Situation an oberste Stelle zu setzen und auf jede nur erdenkliche Weise zu unseren gemeinsamen Bemühungen zum Schutz von Leben beizutragen. Jetzt ist es an der Zeit, die Herzen zu berühren, durch das, was wir sagen, weitergeben und tun – und durch das, was wir nicht tun können – um das Leben zu schützen, das Gott aus Liebe erschuf.

Um dieser Liebe willen ist es wichtig und dringend erforderlich, dass wir die Formen unserer Gottesdienste und die Art unserer Gemeinschaftlichkeit an die Bedürfnisse in dieser Zeit der pandemischen Ansteckung anpassen, um jedes Risiko zu vermeiden, dass wir zum Ausgangspunkt der Virus-Übertragung werden anstatt zu einem Werkzeug der Gnade.

Unser Glaube an den Gott des Lebens verpflichtet uns, Leben zu schützen, indem wir alles tun, was wir können, um eine Übertragung des Virus zu verhindern. Lasst uns Gottes bedingungslose Liebe auf sichere, praktikable Weise verwirklichen, bei der Leben geschützt, Leiden gelindert und sichergestellt wird, dass die Kirchen und öffentlichen Dienste nicht zu Ausgangspunkten der Virenübertragung werden.

Körperliche Distanz bedeutet nicht geistliche Isolation. Die Kirchen auf der ganzen Welt haben jetzt Gelegenheit, ihre Rolle in der Gesellschaft neu zu gestalten, indem sie sich auf sichere Weise um die Armen, die Kranken, die Ausgestoßenen und die Betagten – also all jene, die durch COVID –19 am stärksten gefährdet sind – kümmern, für sie sorgen und sie behüten.

Wir können zuhause beten. Wir können Gott Dank sagen und um Kraft, Heilung und Mut beten. Wir können unsere Liebe zu Gott und für unsere Nächsten zeigen, indem wir nicht in Persona zu öffentlichen Gottesdiensten zusammenkommen. Viele Kirchengemeinden können ihre Gottesdienstversammlungen online oder digital verbreiten. Mitglieder und Pastoren können auch per Telefon miteinander in Kontakt bleiben und seelsorgerisch tätig werden.

Die neuartige Coronavirus-Pandemie hat alle Regionen unseres Planeten erreicht. Es herrschen Angst und Panik, Schmerz und Leid, es gibt Zweifel und Fehlinformationen sowohl über den Virus als auch über unsere Reaktion als Christinnen und Christen.

«Doch als weltweite Glaubensgemeinschaft bekräftigen wir, dass wir selbst inmitten all unserer Verletzlichkeit auf Gott vertrauen, denn Gott ist unsere Hoffnung.

Bei all den Geschichten über das Leiden und die Tragödien gibt es auch Geschichten über einfache Güte und überschwängliche Liebe, über Solidarität und darüber wie auf innovative und überraschende Weise Hoffnung und Frieden verbreitet werden. Während dieser Fastenzeit führt uns unser Pilgerweg durch die Einöde der Strapazen, Schwierigkeiten und Versuchungen vom Tod zur Auferstehung in ein neues Leben mit Gott. Diese Einöde wird durch COVID-19 noch feindseliger und beängstigender, aber wir sind aufgerufen, unsere Herzen in Solidarität miteinander zu vereinen, mit den Trauernden zu trauern, den Furchtsamen Frieden zu bringen und die Hoffnung durch Solidarität im Glauben wieder herzustellen.

Wenn wir in Panik sind und uns auf Hamsterkäufe und das Anlegen von Vorräten konzentrieren, wird diese menschliche Solidarität zersetzt und die Furcht verstärkt. Dabei misslingt es uns in dieser Fastenzeit Instrumente von Gottes Gnade zu sein.

Wir erkennen das Bedürfnis nach verantwortungsbewusster Führung durch den Staat, die Gemeinden und die Oberhäupter der Glaubensgemeinschaften gleichermaßen. Die Regierungen müssen auf allen Ebenen den Zugang zu korrekten und zeitnahen Informationen sicherstellen, und die durch den Verlust von Existenzgrundlage und Beschäftigung verursachten Situationen angehen, vor allem aber für Zugang zu sauberem Wasser und Desinfektionsmitteln und Seife sorgen und den am meisten gefährdeten Personen teilnahmsvolle Fürsorge angedeihen lassen, und sich dabei stets bewusst sein, dass einiges davon in vielen Teilen der Welt noch immer Herausforderungen darstellen wird.

Es ist auch an der Zeit für tiefgreifende Überlegungen über das gemeinsame Wohl, eine kompetente Führung und die in unseren Traditionen verwurzelten ethischen Werte. Inmitten dieser gravierenden Krise erheben wir unsere Stimmen im Gebete für all jene, die für Führung sorgen und für die Regierungen in aller Welt und ermahnen sie, dass ihre dringlichste Sorge jenen gelten muss, die in Armut und an den Rändern leben, sowie den Flüchtlingen in unserer Mitte.

Als Religionsoberhäupter erheben wir unsere gemeinsamen Stimmen, um die Notwendigkeit nach mehr Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der Obdachlosen, der Inhaftierten, der älteren Menschen und derjenigen, die bereits unter sozialer Isolation leiden, hervorzuheben. Wir erinnern auch an jene Menschen, vor allem Frauen und Kinder, die Missbrauch und Gewalt ausgesetzt sind, die zuhause nicht sicher sind und die, wenn die Belastung zunimmt, noch mehr Missbrauch und Gewalt erfahren. Lasst uns schliesslich auch für alle jene beten, die mit COVID-19 infiziert sind, für ihre Familien und für das medizinische Personal und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen, die ihre Leben riskieren, um für deren Behandlung und eine Prävention für uns alle zu sorgen. Und lasst uns auch für die Funktionäre im öffentlichen Gesundheitssektor beten, die, wie wir hoffen, in der Lage sein werden, mit Gottes Hilfe und unserer Kooperation, die Ausbreitung des Virus einzudämmen und schwerwiegende soziale, wirtschaftliche und ökologische Folgen abzuwenden.

«Gottes Liebe ist allumfassend und der Gott des Lebens ist mit jedem und jeder von uns, selbst in unserem Leiden.

Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, Generalsekretär Ökumenischer Rat der Kirchen, Dr. Souraya Bechealany, Generalsekretärin Kirchenrat des Nahen Ostens, Pfarrer James Bhagwan, Generalsekretär Pazifische Kirchenkonferenz, Dr. Mathews George Chunakara, Generalsekretär Christliche Konferenz von Asien, Gerard Granado, Generalsekretär Karibische Kirchenkonferenz, Pfarrer Dr. Fidon Mwombeki, Generalsekretär Allafrikanischer Kirchenrat, Pastor Peter Noteboom, Generalsekretär Kanadischer Kirchenrat, Dr. Jørgen Skov Sørensen, Generalsekretär Konferenz Europäischer Kirchen, Jim Winkler, Generalsekretär Nationaler Kirchenrat der Kirchen in Christus in den USA

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