Die Vereinigung Interkonfessioneller Familien in der Westschweiz (AFI CH) veröffentlicht das Buch « Nous rendons grâce, témoignage et tablier » (in etwa: „Wir danken, geben Zeugnis und werfen das Handtuch ab“), das 17 Jahre Geschichte nachzeichnet, und schliesst sie gleichzeitig mit einem Hauch von Sehnsucht ab. “Es war ein grosses Abenteuer, aber wir werfen das Handtuch ab“, heisst es im Vorwort der Präsidentin der Vereinigung. „Wir sind der Kirchen überdrüssig, welche uns [die Paare, deren Ehepartner nicht derselben Konfession gehören] eher als Problem denn als Chance für die Einheit sehen“.

Das Buch gibt den Seelsorgern, die die Vereinigung begleitet haben, eine Stimme, erinnert an ihre historischen Wurzeln und – was am wichtigsten ist – lässt etwa zwanzig „gemischte“ Paaren zum Wort kommen. Sie beschreiben die Fallstricke, mit denen sie konfrontiert wurden und die Eroberungen und Brücken, die sie während Jahrzehnten bi-konfessionellen Ehe- und Familienlebens geduldig aufgebaut haben. Durch diesen Erfahrungsschatz sehen sich gemischte Paare als eine echte „Ressource“ für die Kirchen auf den langen Weg zur christlichen Einheit.

Und doch gibt die Vereinigung ihre Aktivitäten auf, und es ist nicht möglich, nicht die Entmutigung zu spüren, die in ihr wohnt.

„Mehr als ein halbes Jahrhundert lang, in dem es so viele theologische Klärungen in der Ökumene gegeben hat, ist die Situation [der gemischten Paare und Familien] wie in einem Europa geblieben, das sich mit dem Waffenstillstand von 1945 zufrieden gegeben hätte.“

Heute ist die Lebensrealität vieler Paare und Familien nicht mehr nur interkonfessionnell, sondern auch interreligiös und interkulturell. Sie sind mit dem Verlust religiöser Bezugspunkte, dem Desinteresse an der kirchlichen Institution und der Müdigkeit angesichts dessen konfrontiert, was vielen jungen Menschen (Paaren) als Rückzugsgefecht erscheint. Abschliessend richtet die Professorin für praktische Theologie an der Universität Genf,  Élisabeth Parmentier, an die „historischen“ Kirchen drei Bitten, die sie als dringend bezeichnet:

  • Die gegenseitige eucharistische Gastfreundschaft für interkonfessionelle Paare und ökumenische Gruppen, deren Glaube auf einem Grundkonsens beruht: der Erlösung in Jesus Christus;
  • Eine ökumenisch angesetzte Katechese: Es gibt bereits solche Erfahrungen, die nicht wie befürchtet zu einem Identitätsverlust, sondern zu einem verstärkten Interesse an konfessionellen Hinterlassenschaften geführt haben;
  • Die Ermutigung zur „Bikulturalität“ des Glaubens: Für Professorin Parmentier geht es nicht darum, Konfessionen zu überwinden, sondern seine persönliche Identität als Christ oder Christin bi-kulturell leben zu können/dürfen. Die Taufe setzt eine primäre Zugehörigkeit voraus, was aber die Teilnahme an einer anderen Konfessionsfamilie nicht ausschliesst.

Um das Buch « Nous rendons grâce, témoignage et tablier » zu bestellen (nur auf Französisch)
AFI-CH, rue St Gothard 22, 1926 FULLY, vero@mettaz.ch