Am Martinitag (11. November) haben die Zürcher Kirchen mit Blick auf Advent, Weihnachten und das neue Jahr zur ökumenischen, diakonischen Tapferkeit aufgerufen. Corona bestimmt seit Monaten all unser Denken und Handeln, kein Lebensbereich bleibt verschont. Mit der zweiten Welle fast noch brutaler als zuvor, denn erst jetzt wird uns auf dramatische Art klar, dass diese Pandemie uns noch lange Zeit belasten und fordern wird. Die römisch-katholische, christkatholische und reformierte Kirchen der Stadt Zürich haben ein «Diakonie Manifest» lanciert.

Die aufrufenden Kirchenleitungen laden alle Kirchenkreise und Pfarreien, diakonischen Werke und Institutionen ein, sich diesem Aufruf anzuschliessen. Sie selber stellen sich in die Verantwortung, eine öffentliche Konferenz durchzuführen, in der die ganze Spannweite von Erfahrungen mit Covid-19 sowie das Wissen der Expertinnen und Experten in Kirche und Gesellschaft miteinander in den Dialog gebracht werden. Ziel dabei ist, Angst mit Blick auf das Zusammenleben in der neuen sozialen Normalität zu mindern oder gar zu überwinden.

Eine erste Kernfrage
Wie gehen wir um mit den sozialen Folgen der Epidemie, was ist unser Auftrag angesichts des vielfältigen Leids? Wo sind wir gerufen, zu helfen? Was können wir speziell beitragen zur Linderung von Not, was Staat und soziale Vorsorge nicht leisten können? Corona, das heisst leider für zahlreiche Menschen auch Leid, Krankheit und Tod, welche wir lange erfolgreich aus unserem Alltag verdrängten konnten. Nun ist alles anders. Mitten im Leben gewinnt der Tod neue Macht über uns. Was bedeutet das für uns als Kirchen, die wir Erlösung, Auferstehung und Heilung von Gott her verkünden?

Die zweite Kernfrage
Wie gehen wir um mit Gebrechlichkeit und Tod? Nicht nur der Tod ist in unserer Gesellschaft verdrängt, auch die Frage nach Gott wird nur noch im privaten, intimen Bereich zugelassen. Die Pandemie rückt letztlich auch die Frage nach Gott wieder ins gesellschaftliche Bewusstsein. Was heisst das für uns als Kirchen?

Die dritte Kernfrage
Wie können wir die Glaubenserfahrungen aller Gemeinschaften der jüdisch-christlichen Tradition in dieser speziellen Situation fruchtbar machen? Trotz allen Leids bringt die Corona-Pandemie auch ganz neue Erfahrungen von Solidarität hervor, des gegenseitigen Zueinander-Sorge-Tragens; soziale Verantwortung wird im Alltag konkret. Der Erfahrung des Todes setzen wir die Liebe zum Leben entgegen. Wo das gelingt, wird Auferstehung real.

Die letzte und entscheidende Kernfrage
Wie können wir Kirchen unsere Hoffnungsbotschaft glaubwürdig verkünden, so dass sie den Menschen heute Trost, Zuversicht und Mut zu gemeinschaftlichem Handeln spendet? Dass Gott im Leben der Kirche spürbar und lebendig wird?

Sieben Leitsätze

Corona-Manifest zum Download

Am 11. November gedenken die Christinnen und Christen der römisch-katholischen und christkatholischen Tradition dem heiligen Martin. Martin teilt als Bischof seinen Mantel mit den Armen und wird so Inbegriff kirchlicher Hilfe an und mit Benachteiligten, die caritativ oder diakonisch genannt wird.

Im Grossmünster Zürich, der Mutterkirche der Zürcher Reformation, ist in Stein der Spruch Ulrich Zwinglis gemeisselt: «Tut um Gottes Willen etwas Tapferes».

Seit 500 Jahren steht das Grossmünster für Erneuerung und Innovation des sozialen Zusammenlebens, das von Kirche und Staat Hand in Hand immer neu zu verhandeln ist.