Als Kurt Zaugg, Leiter der oeku Kirchen für die Umwelt und ich am 12. September 2019 nach München reisten, ahnten wir gar nicht, was auf uns zukommen würde. Es wurde uns angeboten, den ersten internationalen Schöpfungstag mit zu organisieren. Es war sofort klar, dass wir mitmachen, und dass dieser Tag am Bodensee stattfindet zum Thema … Wasser. Der See verbindet grenzüberschreitend 5 Millionen Menschen und Wasser ist in ökologischer und biblischer Hinsicht von existenzieller Bedeutung.

Von Anne Durrer
Generalsekretärin der AGCK.CH

Zwischen September 2019 und September 2021 liegen eine beträchtliche Anzahl von Treffen in den unterschiedlichsten Konstellationen und der damals absolut unvorstellbare «Faktor Covid-19». Viele Sitzungen fanden digital statt, was geographisch auch Vorteile hatte. Vieles wurde aber verkompliziert, Stichwort: Schutzkonzept, verbindliche Anmeldungen usw., Zertifikate, die kontrolliert werden müssen usw. und die dauernde Unsicherheit, ob der Anlass überhaupt stattfinden kann. Und:

Ströme lebendigen Wassers
Der rote Faden wurde festgelegt: «Damit Ströme lebendigen Wassers fliessen»

Das «MS Alpenstadt Bludenz» wurde reserviert, Abfahrt von Bregenz um 13 Uhr

Die lokalen Vorbereitungsteams setzten sich ans Werk, interkonfessionell – unser Tag ist ökumenisch, die SchöpfungsZeit und die Bewahrung der Schöpfung finden seit Jahren eine wachsende Resonanz.

Musiker wurden verpflichtet, vom Lindauer Bläserensemble in Bregenz, russisch-orthodoxen Chor in Lindau bis zum Alphorn-Duo und Organist in Romanshorn. Dort fand nach dem Gottesdienst ein Empfang zum 50-jährigen Jubiläum der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH) statt mit Grussworten, Geschenken und feinem Apero.

Die Feier
Im Laufe des Sommers sorgte nicht nur die Pandemie für Bedenken, sondern auch das nasse Wetter. Der Gott der Schöpfung zeigte sich aber sehr grosszügig: Der Tag der Schöpfung fand am 4. September unter glänzender Sonne statt, der See strahlte sowie die Gesichter der etwa 100 Frauen und Männern, die die Reise miterlebten.

In Bregenz wurde eine Wassersegnung vom rumänisch-orthodoxen Priester Ovidiu Cozma und dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, Erzpriester Radu Constantin Miron, gefeiert. Es ist kein Zufall, dass die von Cozma gesungene Liturgie uns «unter die Haut» ging: Cozma ist auch als Opernsänger in St. Gallen tätig.

In Lindau wurden wir eingeladen, die wunderschöne Naturkulisse wahrzunehmen und dafür zu danken. Auch ermutigte Bertram Meier, Bischof von Augsburg, alle, sich für die Umwelt zu engagieren, «es ist bereits fünf nach 12».

Die Predigt
In Romanshorn predigte Harald Rein, Bischof der Christkatholischen Kirche: «Jeder Christ ist wie ein lebendiges Wasser beziehungsweise ein Träger des Heiligen Geistes». «In der heutigen Zeit des Säkularismus bleibt aber die kritische Rückfrage an die Kirche heute und damit an uns: Tun wir für das Fliessen von Strömen lebendigen Wassers das Richtige? Reden wir zu leise? Zeigen wir das zu wenig?» Dass zum überzeugenden Handeln auch Taten gehören, verdeutlicht das Soziale Bekenntnis der Evangelisch-methodistischen Kirche, das im Gottesdienst aufgenommen wurde: «Wir bezeugen, dass die natürliche Welt Gottes Schöpfungswerk ist. Wir wollen sie schützen und verantwortungsvoll nutzen».

Predigt

3G neu gedeutet
Die neue «3G-Regel» galt auch für diesen Tag und verursachte keine unschönen Szenen. Ich staunte trotzdem, als ausgerechnet ein hoher orthodoxer Würdenträger – Erzpriester Radu Constantin Miron – auf dem Schiff zum Mikrophon griff und nochmals die Gültigkeit der 3-G-Regel betonte ….    GETAUFT    GEMEINSCHAFTLICH    GLÜCKLICH

Besser hätte sie für diesen ersten internationalen Tag der Schöpfung nicht treffen können.

Bildergalerie
Auf der Webseite der ACK. Anschauen

Gemeinsam mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) und der ACK in Deutschland und in Bayern wurde mit vielen lokalen Partner:innen zur internationalen Feier zum Tag der Schöpfung am 4. September 2021 eingeladen. Der Tag ist ein Jubiläumsprojekt der AGCK Schweiz, die 2021 ihr 50-Jubiläum feiert.