Der Schweizer Predigtpreis wird zum 3. Mal ausgeschrieben

 

Zum dritten Mal wird der Schweizer Predigtpreis ausgeschrieben. Wer über ein Mandat zum Predigen in einer Schweizer (oder mit der Schweiz verbundenen) Kirchgemeinde oder Pfarrei verfügt, ist zur Teilnahme eingeladen.

Mit dem Schweizer Predigtpreis will der Schweizerische Evangelische Kirchenbund die reformatorische Tradition der Wortverkündigung fördern und so den christlichen Glauben lebensnah zur Sprache bringen. Der Schweizer Predigtpreis wird 2020 zum dritten Mal nach 2014 und 2017 vergeben. Mitmachen können auch Vertreterinnen und Vertreter anderer Konfessionen. Übrigens: 2017 durfte der römisch-katholische Priester Erich Haering einen Preis gewinnen.

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Teilnahmebedingungen


Plenarversammlung der AGCK Schweiz vom 15. Mai

Die Plenarversammlung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz fand am 15. Mai 2019 in der Neuapostolischen Kirche in Zofingen (AG) statt. Einer der wichtigsten Punkte der Tagesordnung bildete der Schlussbericht der Gesprächskommission AGCK.CH – NAK Schweiz.

Erstmals war die Neuapostolische Kirche Schweiz Gastgeberin einer Plenarversammlung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH). Bezirksapostel Jürg Zbinden begrüsste die Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedskirchen und der Mitglieder mit Gaststatus sowie die Mitglieder der Gesprächskommission AGCK.CH – NAK Schweiz, die aus aktuellem Anlass ebenfalls eingeladen worden waren.

„Die Sach ist Dein Herr Jesus Christ“
Vor der eigentlichen Versammlung hielt der Bezirksapostel eine Andacht, der er das Bibelwort aus Matthäus 28,16-20 zugrunde legte. Nach dem gemeinsam gesungenen Lied „Die Sach ist Dein Herr Jesus Christ“ führte er unter anderem aus: „Das ökumenische Bemühen gläubiger und von ihrer Mission erfüllter Christinnen und Christen ist manchen Widerständen ausgesetzt – heute weniger äusserer Art, als oft vielmehr in Form von innerer Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit. Gerade da sind wir als Christen gemeinsam gefordert, uns in die von Jesus vom Vater erbetene Einheit im Glauben führen zu lassen und dadurch Zeugnis in Wort und Dienst abzulegen“.

Schlussbericht der Gesprächskommission AGCK.CH – NAK Schweiz
Pfarrerin Claudia Haslebacher, Präsidentin der Kommission, präsentierte den Schlussbericht der Gesprächskommission. Die Ende März 2013 eröffnete 2. Phase der Gesprächskommission hatte seither die ökumenische Öffnung der Neuapostolischen Kirche (NAK) begleitet, Gespräche über strittige theologische Fragen ausgeführt. Die Gesprächskommission hält in ihrem Bericht fest, dass sie die Entwicklung innerhalb der NAK als nachhaltig beurteilt und dass die NAK die Erklärung zur gegenseitigen Taufanerkennung von Riva San Vitale vorbehaltlos unterzeichnen kann. Der Schlussbericht wurde durch die Plenarversammlung entgegengenommen.

Statutarischer Teil
Weitere Traktanden waren die Berichte des Präsidenten Pfarrer Daniel de Roche, der Generalsekretärin sowie der Mitgliedskirchen und kantonalen AGCK’s, die Abnahme von Jahresrechnung und Revisionsbericht 2018 und das Budget 2020.

Thematischer Teil
Unter dem Titel „Krise des Menschen“ befassten sich die Teilnehmer nach einem Einführungsvortrag von Frau Prof. Dr. Georgiana Huian, rum.-orth. Theologin und Philosophin, mit möglichen ethischen, liturgischen und pastoralen Antworten auf die Krise des Menschen.


Respekt für Notre-Dame von Paris

Notre-Dame ist verbrannt in der Nacht vom 15. auf den 16. April 2019. Ihr Turm in der Mitte (flèche) brach zusammen. Die Welt weint, die Franzosen betrauern ein Erbe, das ihnen teuer und nahe am Herzen ist, mehr als achthundert Jahre Geschichte, Geschichten, Filme, vierzehn Millionen Besucher pro Jahr. Paris beweint einen Teil seines Herzens, es ging in Rauch auf. Aber wenn wir die Berichte in den Medien zu Herzen nehmen, wenn wir uns diese schrecklichen Bilder anschauen, können wir auch aus einem anderen, tieferen Grund weinen.

Notre-Dame von Paris ist auch eine Blutzeugin. Sie symbolisiert die Weigerung der Menschen für Gerechtigkeit zu kämpfen,  sie symbolisiert den Verzicht auf den Kampf für das Gemeinwohl, für eine bessere Welt. Die Erbauer der Kathedrale waren verrückt! Narren Gottes, sagen einige, die darin die Gefahr des Fanatismus, des Proselytismus sehen wollen. Aber sie waren auch erfüllt von Kühnheit, nach Gleichgewicht, trunken von Licht und Farbe! Sie waren dem Himmel zugewandt, nach oben orientiert, auf der Suche nach  dem anderen möglichen Leben, auch wenn so zerbrechlich, dass sogar der Stein zu Spitzerei wurde. Die Erbauer der Kathedralen waren Kameraden, sie hatten sich zusammengeschlossen und wetteiferten zusammen mit Fähigkeiten und Technik, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: Schönheit, Atem und Licht, Stein geworden an Orten, um Gott dem Schöpfer die Ehre zu geben.

Natürlich werden einige sagen, ein herausragendes Symbol der religiösen Macht ist verbrannt. Und dass es  an der Zeit dafür war. Denn heute führt alles Reden über Religion zu Angst und Misstrauen. Denn man will die Religion aus dem Alltag, aus der Bildung, aus den Themen des Nachdenkens verbannen. Während dieser dramatischen Stunden war ich  über die Scheu der Medien erstaunt, ja verärgert zu benennen, dass es sich um einen christlichen Ort und ein Symbol des Glaubens handelt. Als das ausgesprochen wurde, war es sehr schnell notwendig auch zu sagen: ja, aber es ist nicht nur ein christlicher Ort. Es ist auch ein weltlicher, ein historischer Ort! Ein wenig, als ob es notwendig wäre, wüste Wörter schnell durch andere zu ersetzen, die korrekter sind! Fast so, wie man Kindern den Mund mit Seife wäscht, wenn sie hässliche Wörter gesagt haben: Das Spirituelle muss aus der Welt, das ist das neue Dogma! Unsere ausserordentlich säkularisierten und laisierten  Gesellschaften sind so weit, dass die allgemeine Wahrheit auf ihrer Seite ist und sie nehmen nichts mehr von der Spiritualität wahr, die jedem Menschen innewohnt. Jetzt glaubt die Welt an den Menschen, an die Wirtschaft, an den Laizismus!

Der schreckliche und zugleich faszinierende Einsturz des Turms der Kathedrale veranschaulicht traurigerweise diese Realität. Als ob die Notre-Dame von Paris trotz ihrer selbst geschrumpft ist vor dem Aufkommen einer Ära, in der der Glaube, die Spiritualität, das Nachdenken über Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung abwesend sind und als subversiv ja bedrohlich für die unbegrenzte Macht der Mächtigen und des Geldes gehalten werden. Man darf glauben, aber nur zu Hause, für sich selbst, privat und ohne zu stören. Andererseits, um vieles zu besitzen, um schimpfen zu können, ohne Grenzen verschmutzen zu können, für den persönlichen Komfort die Natur auszubeuten da will man freie Fahrt für jeden und jede, der und die es wünscht!

Dieses Feuer zerreisst mir das Herz, wie Millionen von Menschen. Wie der Pariserin im französischen Fernsehen, die sagte: "Wir sind eins, in Gemeinschaft verbunden durch Trauer und Hilflosigkeit.“ Verbunden, ja. Aber warum brauchen wir eine Kathedrale, die einstürzt, um zueinander zu finden? Die Katastrophe von Notre-Dame sollte uns dazu bringen, über die vertikale Dimension des menschlichen Lebens nachzudenken. Was ausser Bildung, Geld, Wohlbefinden, was lässt uns aufrecht stehen? Wir könnten auch Bauleute werden, es wagen, unsere Kühnheit gen Himmel wachsen zu lassen! Wir könnten das Zerbrechliche unseres Weltgebäudes akzeptieren, in dem wir leben, und miteinander wetteifern in Fähigkeiten und Intelligenz, um die Schöpfung, den Planeten und die Menschheit zu bewahren. Die Erbauer der Kathedralen redeten nicht nur, reihten Reden an Reden und träumten von Macht! Sie arbeiteten mit ihren Händen, ihren Werkzeugen, und vor allem fanden sie Nahrung in ihren Träumen! Sie wurden für verrückt gehalten, aber die Kathedralen, die sie zurückliessen, sind Zeugen der Tatsache, dass ihre Verrücktheit ein Wurf ohne Grenzen war, der uns heute noch überholt.

Notre-Dame von Paris hat gebrannt. Über das Drama europäischen Ausmasses hinaus, jenseits der Traurigkeit von denen, die sie besucht haben, die da etwas wichtiges erlebt haben, jenseits der verlorenen oder verwüsteten historischen Schätze, beklagen wir  auch die Entwurzelung des Menschen, der in Angst und Verzweiflung auf sich selbst zurückgegriffen hat. Die Welt hat ihre Wurzeln im Himmel verloren, und die Muttergottes/notre Dame hat es uns gerade gesagt, trotz ihrer selbst, auf dramatische und fast unheilbare Weise.

Solidarität wird es geben. Millionen werden sicher für den Wiederaufbau freigegeben werden. Aber ich frage mich heute, wie viele Millionen sind wir bereit zu finden, um zu verhindern, dass die Kathedrale, unser Planet, vollständig zerstört wird, zerstört durch die Macht des Geldes und die Gott gleiche Wirtschaft, durch ungebremsten Konsum ? Ich frage mich, wie viele Millionen wären wir bereit zu sammeln, um Beziehungen zu knüpfen, um gegen Vereinfachungen, Verkürzungen Dummheit und Hass zu kämpfen. Ich frage mich, wie viele weitere Kathedralen Türme noch in Flammen aufgehen müssen, bis wir verstehen, dass wir alle miteinander in Beziehung stehen; wenn wir nicht aufhören, auf unsere Füße zu schauen, unsere Augen abzuwenden, den Inhalt unserer Portemonnaies zu zählen, wenn wir nicht aufhören, den anderen als Feind zu betrachten, können alle Kathedralen der Welt brennen und fallen, es wird sich nichts ändern.

Respekt für Notre-Dame von Paris, für die Erbauer, die mit Licht, Glas, Stein und einem langen Atem gebaut haben. Respekt für diejenigen, die dafür kämpfen, so viele wie möglich zu erhalten. Und mit der gleichen Logik, Respekt für die Männer und Frauen, die dafür kämpfen, Beziehungen zu knüpfen, um zu heilen, zu lieben und um zu geben. Respekt für die, die für die Rettung der Kathedrale Erde kämpfen, die das dringend nötig hat.

Angst ist ein schlechter Berater, in allen Belangen. Sie nagelt am Boden fest, es scheidet, sie trennt. Hoffnung und Glaube blicken nach oben, zu den Blicken der andern, zum Himmel.

Ja, Respekt für Notre-Dame von Paris, die uns traurig wie sie ist, eine dringende Botschaft sendet: Bitte, werft nicht alle spirituellen, weltweiten Überlegungen über Bord, aber ohne religiöse Abgrenzungen und ohne Bekehrungsversuche, sondern ein gemeinsamer Kampf, eine gemeinsame Hoffnung, um die Menschheit und die Schöpfung zu bewahren!

Marie-Laure Krafft Golay, ev.-ref. Pfarrerin
Aus dem Französischen von Daniel de Roche übersetzt

 


Resonanzräume für eine relevante Theologie

Die 6. Studientage „Das gute Leben – Resonanzen in Theologie, Kirche und Gesellschaft“ mit Hartmut Rosa, Miroslav Volf und Wim Wenders (u.v.m) finden vom 12. bis am 15. Juni 2019 an der Universität Fribourg statt. Könnte die ehemalige Leitwissenschaft Theologie, inzwischen weitgehend marginalisiert, neue Strahlkraft gewinnen? Was hätte dies mit den Lebensbedingungen in der Spätmoderne zu tun? Und welche Rolle würde die Kunst dabei spielen? Diesen Fragen gehen Wim Wenders, Hartmut Rosa und Miroslav Volf an den sechsten Studientagen zur theologischen und gesellschaftlichen Erneuerung nach.

Wim Wenders, Hartmut Rosa und Miroslav Volf, die man alle kaum vorstellen muss, werden die Wahrnehmungen unserer Wirklichkeit, die sich in ihrem Werk spiegeln, in ein Gespräch einbringen, bei dem sich – so hoffen die Veranstalter – fruchtbare Konvergenzen und ein Zusammenklang, der mehr ist als die Summe aller Einzelstimmen, ergeben werden. Das wäre dann genau ein Phänomen von Resonanz: Im schönsten Fall öffnen sich dem liebevollen Blick Möglichkeiten des guten Lebens, in denen das Erbe christlicher Theologie plötzlich, und vielleicht überraschend, wieder attraktiv und relevant erscheint.

Die Freiburger Studientage zur theologischen und gesellschaftlichen Erneuerung wollen spannende, wissenschaftliche Theologie auf höchstem Niveau, aber für alle Interessierten (auch ohne theologische Vorbildung) zugänglich, existentielle Relevanz und praktische Bedeutung für Kirche und Gemeinde miteinander verbinden. Sie finden seit 2014 jeweils mit mehreren hundert Teilnehmern statt. Sie sind Ort einer neuen und intensiven ökumenischen Erfahrung: Christinnen und Christen aus Denominationen, die die ganze Breite der Christenheit von den Freikirchen bis zur östlichen Orthodoxie repräsentieren, erfahren ein Christentum, das lebt und Zukunft hat.

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Weitere Informationen und Anmeldung

 


Neuapostolische Kirche wird Gastmitglied der AGCK im Kanton Zürich

An der Delegiertenversammlung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen im Kanton Zürich – AGCK Zürich vom 9. April 2019 wurde die Neuapostolische Kirche als Gastmitglied aufgenommen.

Der Antrag der Neuapostolischen Kirche für eine Gastmitgliedschaft erfolgte im Rahmen einer weitreichenden Öffnung der Kirche in den letzten Jahren. Sie pflegt Kontakte zu anderen christlichen Kirchen, steht der ökumenischen Bewegung offen gegenüber und beteiligt sich am öffentlichen Leben. So zeigte sich der neuapostolische Bischof Rudolf Fässler erfreut und dankbar über die Aufnahme in die AGCK Zürich: „Wir freuen uns sehr über diese Wertschätzung und sehen dies als weiteren Meilenstein auf unserem Weg zur Öffnung in die Ökumene. Wir befürworten eine gemeinsame Interessenvertretung der Christen in der Gesellschaft und sind dankbar für die Möglichkeit der Vernetzung, des Dialogs und der Verständigung auf dieser einzigartigen ökumenischen Plattform.“

In der AGCK Schweiz, in anderen Kantonen und auch in Deutschland ist die Neuapostolische Kirche bereits Gastmitglied der entsprechenden kirchlichen Gremien. Die AGCK Zürich ist die grösste ökumenische Plattform im Kanton Zürich und hat derzeit 21 Mitgliedkirchen.

Weitere Informationen zur AGCK Zürich


Religionsfreiheit ist kein Recht der Religionen, sondern der Menschen

Am 15. März 2019 referierten und debattierten an einer religionspolitischen Tagung an der Universität Fribourg Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und verschiedener (a)religiöser Organisationen über die Rolle, die Religion und Glauben heute in der Öffentlichkeit zusteht. Dabei war das Verhältnis von Kirche und Staat als auch die Unverzichtbarkeit der Religionsfreiheit in einer pluralistischen Diskurskultur ein Thema.

Religionsgemeinschaften leisteten wichtige Beiträge für das Gemeinwohl und die gesellschaftliche Entwicklung, schreibt die Schweizerische Evangelische Allianz SEA in einer Medienmitteilung zur Tagung. Zu nennen seien unter anderem die zahlreichen Angebote, die verschiedene Kirchen in der Schweiz zur Unterstützung von Flüchtlingen in den letzten Jahren initiiert hätten. Nach wie vor sei Religion für Menschen in der Schweiz eine wichtige Grundlage ihres gesellschaftlichen Engagements. Auf der anderen Seite gäbe es aber auch Menschen, die Religion zwar als private Option tolerierten, ihr aber keine öffentliche Anerkennung mehr zugestehen wollten und noch andere fühlten sich durch Religion provoziert.

Die Unverzichtbarkeit der Religionsfreiheit in einer pluralistischen Diskurskultur
Heiner Bielefeldt, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg/Deutschland und ehemaliger UN-Sonderberichterstatter Religionsfreiheit, stellte in seinem Referat einleitend fest, dass es beim Menschenrecht der Religionsfreiheit umfassend um Gedanken-, Gewissens-, Religions- und Weltanschauungsfreiheit gehe. Das werde reduziert auf «Religionsfreiheit». Die grossen Dramen der Missachtung der Religionsfreiheit mit systematischen Verfolgungen, Vertreibungen, Unterdrückung, Folter, Mord, Entfremdung der Kinder von den Eltern, spielten sich nicht in Europa ab, so Bielefeldt.

Ungleichzeitigkeiten: Strukturen haben Wandel nicht nachvollzogen
Die Herausforderungen der Religionsfreiheit in europäischen Demokratien verortete er in den Veränderungen der Gesellschaft, die nicht durch Anpassung der Strukturen nachvollzogen worden sei (Staatskirchenrecht in Deutschland) und zu faktischer Diskriminierung führen könne, die aber nicht gewollt sei.

Diskriminierung: «Kreuz und Kottelet»
Es werde von gewissen Politikern eine aggressive Religions- und Identitätspolitik betrieben, mit der Ressentiments mobilisiert würden. Man spreche dann von «Leitkultur». Das Aufhängen von Kreuzen in staatlichen Räumen werde gefordert und das Schweinefleischessen in Schulkantinen werde zur Ausgrenzung missbraucht: «Kreuz und Kottelet» laute ein Abgrenzungsslogan.

Skepsis gegenüber Religionsfreiheit: Angriffe auch aus linksliberaler Ecke
Er beobachte seit einiger Zeit auch Angriffe auf die Religionsfreiheit aus linksliberaler Ecke, so der ehemalige UN-Sonderberichterstatter. Religionsfreiheit werde von diesen Kreisen als antiliberales Recht verstanden und passe deshalb nicht in eine liberale Menschenrechtsagenda. «Man hat Angst, Religionsfreiheit mache Errungenschaften des säkularen Rechtsstaates zunichte», sagte Heiner Bielefeldt. Diese Position sei untergründig stark im Rechtspopulismus vertreten, aber auch im Feminismus.

Religionsfreiheit: «Privatsache»
Die Forderung, Religionsfreiheit als Privatsache zu verstehen, sei die Herausforderung der Religionsfreiheit in unserer Zeit. Er gab zu bedenken: «Ein Staat, der religiöse Fragen in die Privatsphäre abdrängt, verletzt damit die Religionsfreiheit.»

Religionsfreiheit ist kein Recht der Religionen, sondern der Menschen
Es gäbe keine Freiheit ohne Grenzen. Die Religionsfreiheit werde aber von Regierungen gerne «zurechtgeknetet», indem «vernünftige» Grenzen gefordert würden. Grenzen, so Bielefeldt, müssten aber plausible Kriterien zugrunde liegen und sie müssten legitime Ziele verfolgen. So müsse der Staat beim Ausschluss gewisser christlicher Jugendorganisationen von Fördergeldern diesen plausibel begründen.

Trennung von Religionsgemeinschaft und Staat
Die Forderung der Trennung von Religionsgemeinschaft und Staat sei für ihn negativ besetzt, so Professor Bielefeldt. Es gehe vielmehr um eine bewusste «Abstandnahme», die der Staat zu Religionsgemeinschaften und Religionslosen pflegen sollte. Säkularismus sollte als raumgebendes Prinzip verstanden werden und nicht als leerer Raum. «Religionsfreiheit ist Begründung für den säkularen Staat», sagte er. Der Staat habe im offenen Raum eine Gestaltungsaufgabe. Bielefeldt bezog in seinem Referat Stellung für die öffentliche Präsenz von Religion.

Engagierte, mitunter kontroverse Podiumsdiskussion
«Es wird heute schon fast als übergriffig dargestellt, wenn man seine Religiosität noch öffentlich zeigt», stellte EVP-Nationalrätin Marianne Streiff auf dem Podium fest. Andreas Kyriacou, Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz (FVS), gesteht Religionsgemeinschaften ihren Platz in der Öffentlichkeit zu. Ihn stört aber die Sonderstellung der Landeskirchen. Der Staat solle religiöse Organisationen gleich behandeln wie andere zivilgesellschaftliche Akteure, beispielsweise Umweltschutzorganisationen. Für Nationalrat Gerhard Pfister (CVP), wäre es durchaus reizvoll zu sehen, wie die Landeskirchen sich ohne staatliche Gelder schlagen würden. «Es würde sie möglicherweise aus einer gewissen Bequemlichkeit herausholen.» Neben Referaten und Podiumsdiskussion vertieften die Teilnehmenden die Rolle von Religion in der Öffentlichkeit in verschiedenen Workshops. Diskutiert und Lösungsansätze skizziert wurde etwa zu den Fragen, ob und wie sich religiöse Vertreter zu assistiertem Suizid äussern sollen und wie sich die häufig in die Sektenecke geschobenen Freikirchen von dieser Diskriminierung befreien können.

Fallbeispiele: Sonntagsschutz; Streichung von Fördergeldern; Spitalseelsorge
Die vorgestellten Beispiele unter dem Titel «Herausforderungen in der Schweiz» bezüglich der Religionsfreiheit, thematisierten den Sonntagsschutz, die Streichung der Fördergelder für christliche Jugendarbeit durch das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) und das BASPO sowie die Betreuung muslimischer Patienten in öffentlichen Spitälern.

Referenten und Referentin
Andi Bachmann-Roth, Evangelische Allianz; und Prof. Dr. Dr. h.c. Heiner Bielefeldt, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; Prof. Dr. Daniel Bogner, Universität Fribourg; Wolfgang Bürgstein, Justitia et Pax; Dilek Ucak Ekinci, Schweizer Zentrum Islam und Gesellschaft, Universität Fribourg; Prof. Dr. Frank Mathwig, Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund SEK und Universität Bern; Micheal Mutzner, Evangelische Allianz.

Die Tagung wurde organisiert von: Studienzentrum für Glaube und Gesellschaft, Universität Fribourg; Lehrstuhl für Moraltheologie und Ethik, Universität Fribourg; Schweizerische Evangelische Allianz SEA

Bild und Bericht: © apd-ch


Götterspeise und Teufelshörnchen – SchöpfungsZeit 2019

Weltweit wird im September die SchöpfungsZeit gefeiert. Die Pfarreien und Kirchgemeinden in der Schweiz werden mit dem Slogan "Götterspeise und Teufelshörnchen" eingeladen, den Geschmackssinn zu thematisieren – im Rahmen einer mehrjährigen Reihe zu den fünf Sinnen. Das gemeinsame Essen hat für kirchliche Gemeinschaften einen hohen Stellenwert und auch eine spirituelle Dimension. Die SchöpfungsZeit-Aktion bietet die Gelegenheit, bewusst die Dankbarkeit für Gottes gute Gaben zu pflegen und gleichzeitig die problematische Seite der Ernährung mit ihrer Umweltbelastung zur Sprache zu bringen.

Salzig, sauer, süss, bitter und würzig, sind die Eckpfeiler des Geschmackssinns. Im Mund entscheiden wir, ob uns etwas schmeckt oder nicht. Beim Essen erleben wir «Himmel und Hölle», wie die süsse Götterspeise oder das scharfe Teufelshörnchen zeigen. In solchen Benennungen kommt die spirituelle Dimension des Essens zum Ausdruck.

In der Bibel ist das Essen ein beherrschendes Thema. Schon im allerersten Kapitel wird eine – später wieder relativierte – Speisevorschrift festgehalten: Menschen wie Tiere sollen sich ausschliesslich von Pflanzen ernähren (Gen 1,29-30). Die spirituelle Bedeutung des gemeinsamen Essens zeigt sich eindrücklich am letzten Abendmahl Jesu. Im Zentrum des christlichen Gottesdienstes steht seitdem – neben dem Hören auf das Wort Gottes – die symbolische Mahlgemeinschaft in der Erinnerung an die Selbsthingabe Jesu für die ganze Schöpfung.

Kirchgemeinden und Pfarreien feiern Eucharistie, Abendmahl, das Agape-Mahl, laden zum Kirchenkaffee, zur Fastensuppe oder zum Mittagstisch ein. Dadurch wird die Gemeinschaft gestärkt und der Bezug zu Gott und seiner Schöpfung gepflegt. In der SchöpfungsZeit 2019 kann bewusst der Geschmackssinn geübt sowie erspürt und gekostet werden, wie gütig Gott durch all seine Gaben ist (vgl. Ps 34,9). Die SchöpfungsZeit-Aktion bietet gleichzeitig die Gelegenheit, aktuelle Ernährungsfragen wie Foodwaste oder die Klima- und Umweltbelastung der Nahrungsmittel zu thematisieren sowie möglichst schmackhafte und umweltverträgliche Menus zu erproben.

Empfehlung der AGCK.CH
Die Kirchen empfehlen seit der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung von Sibiu (2007), die SchöpfungsZeit zu feiern:

"Wir empfehlen, dass der Zeitraum zwischen dem 1. September und 4. Oktober dem Gebet für den Schutz der Schöpfung und der Förderung eines nachhaltigen Lebensstils gewidmet wird."

Materialen 2019
Zu den Unterlagen "Götterspeise und Teufelshörnchen" gehören:

  • eine Arbeitsdokumentation (verfügbar ab Ende Mai) mit Predigtimpulsen von der christkatholischen Pfarrerin Antje Kirchhofer und dem reformierten Theologen Jacques Matthey. Sie werden mit einer Zusammenstellung liturgischer Texte und Lieder, Ideen für Gottesdienste, Exkursionen und Aktionen mit Kindern und Jugendlichen ergänzt.
  • ein Magazin mit Beiträgen zum Geschmackssinn aus persönlicher, theologischer und ökologischer Sicht. Das Magazin erscheint Anfang Mai als Beilage zu bref (Magazin der Reformierten) sowie in Auszügen bei der Schweizerischen Kirchenzeitung. Einzelbestellungen sind möglich.

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Flyer 2019


Die Neuapostolische Kirche wird Gastmitglied der ACK Deutschland

Während der kommenden Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) am 2. und 3. April in Hofgeismar wird die Neuapostolische Kirche (NAK) als neues Gastmitglied der ACK aufgenommen. Dem haben die ACK-Mitgliedskirchen mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit zugestimmt. Vorausgegangen war ein mehrjähriger Prozess der Reflexion und Kommunikation.

Bereits im letzten Jahr hatte die Mitgliederversammlung den Mitgliedskirchen der ACK empfohlen, die Neuapostolische Kirche als Gastmitglied der ACK in Deutschland aufzunehmen. Nach einem über mehrere Jahre andauernden Kommunikationsprozess hatte die Kirche einen Antrag auf Gastmitgliedschaft gestellt. In einem schriftlichen Verfahren haben nun die Leitungen der 17 Mitgliedskirchen den Antrag mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit befürwortet, teilte die Ökumenische Centrale (ÖC) in Frankfurt/Main, die Geschäftsstelle der ACK Deutschland, mit.

Gespräche seit 2001
Die regelmässigen Gespräche zwischen der NAK und der ACK reichen bis ins Jahr 2001 zurück, als es zu ersten Kontakten auf regionaler Ebene kam. Dabei sei deutlich geworden, dass es in der NAK einen Öffnungs- und Wandlungsprozess gegeben habe. 2006 wurde in Memmingen erstmals eine NAK-Gemeinde Gastmitglied einer örtlichen ACK. 2008 nahm der Vorstand der ACK in Deutschland Gespräche mit der NAK auf. 2011 beschloss die Mitgliederversammlung der ACK in Deutschland offizielle theologische Gespräche mit der NAK zu führen. Die ökumenische Öffnung der NAK sei nachhaltig durch die Herausgabe des NAK-Katechismus im Dezember 2012 unterstützt worden. Das dort beschriebene Kirchenverständnis mache deutlich, so die Ökumenische Centrale, dass sich die NAK den Glaubensbekenntnissen der Alten Kirche verpflichtet fühle und die ökumenische Zusammenarbeit mit anderen Kirchen als wichtige Aufgabe betrachte.

Die NAK in anderen Ländern

  • Schweiz: In die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH) wurde die Neuapostolische Kirche im April 2014 als Kirche im Gaststatus aufgenommen. Zwischen 2003 und 2007 diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der Neuapostolischen Kirche Schweiz (NAK) und der AGCK Schweiz über Theologie- und Glaubensfragen. 2007 wurde eine ordentliche Gesprächskommission AGCK.CH – NAK gebildet, um den Dialog auf Augenhöhe weiterzuführen. Der Schlussbericht der Gesprächskommission wird in Frühling 2019 erwartet.
  • In Österreich ist die NAK seit 2014 Vollmitglied des Ökumenischen Jugendrates (ÖJRiÖ) nachdem sie dort einen zweijährigen Beobachterstatus hatte. Im April 2014 veröffentlichten der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) und die Neuapostolische Kirche Österreich gemeinsam eine „Orientierungshilfe für die Gemeinden“.
  • Im September 2016 wurde die NAK Mitglied im Rat der Kirchen in den Niederlanden, nachdem sie dort bereits 2014 einen Beobachterstatus hatte.
  • Die NAK ist seit Oktober 2017 auch Vollmitglied im Rat Christlicher Kirchen (RCK) in Luxemburg. Eine Gastmitgliedschaft gab es im RCK ab 2015.

1. März: Ökumenischer Weltgebetstag

Jeweils am ersten Freitag im März findet auf der ganzen Welt der ökumenische Weltgebetstag (WGT) statt. Und überall wird in den verschiedensten Sprachen nach derselben Liturgie gefeiert, die jedes Jahr von Frauen aus einem anderen Land verfasst wird.

Slowenien hat eine lange, bewegte Geschichte: von einer hochstehenden Kultur in prähistorischer Zeit bis zur heutigen demokratischen parlamentarischen Republik. Während der Zeit, als Slowenien Teil der sozialistischen Republik Jugoslawien war (1945 bis 1991), wurden Angehörige von Religionsgemeinschaften diskriminiert. Seit 1991 ist Slowenien ein unabhängiger Staat und seit 2004 Mitglied der EU.

Im Jahr 2001 wurde in Slowenien der Weltgebetstag zum ersten Mal gefeiert. Der Impuls dazu kam aus der Schweiz. Und nun schenken uns die slowenischen Frauen eine Feier zum Thema "Kommt, alles ist bereit!" Diese Aufforderung steht in einem Gleichnis, das Jesus im Lukasevangelium erzählt (Lk 14,17): Die zu einem Gastmahl Eingeladenen haben sich alle entschuldigen lassen. Der Gastgeber ist enttäuscht und lässt Arme, Behinderte und Randständige, die sonst nie zu so einer Einladung kommen, an seinen Tisch bitten, damit das Fest doch noch stattfinden kann.

Die sehbehinderte Künstlerin Rezka Arnuš hat ein Bild gestaltet, in welchem sie ihr Land zusammen mit der biblischen Geschichte darstellt: tanzende slowenische Frauen in ihren Nationaltrachten, Menschen mit verschiedenen Behinderungen und dazwischen, im Zentrum, der reich gedeckte Tisch mit Spezialitäten des Landes.

Mehr Informationen zum Land, zum Weltgebetstag und zur Gestaltung der Feier 2019 sind erhältlich auf dem WGT-Sekretariat; Materialien können über den Shop auf der Website www.wgt.ch bestellt werden.


Hoffnung in christlichen Gemeinschaften, die radikale Gastfreundschaft praktizieren

Jedes Jahr kommen Christinnen und Christen auf der ganzen Welt zusammen zum Gebet um Heilung von Trennungen und wachsende Einheit. Traditionell feiern wir die Gebetswoche für die Einheit der Christen jeweils vom 18. bis 25. Januar zwischen den Gedenktagen für das Bekenntnis des Apostels Petrus und die Bekehrung des Apostels Paulus.

Das Motto 2019 Gerechtigkeit, Gerechtigkeit – ihr sollst du nachjagen (5. Mose 16,18-20), sowie die Reflexionen dazu wurden von den Kirchen in Indonesien vorbereitet, in einem für seine sprachliche, kulturelle, ethnische und religiöse Vielfalt aussergewöhnlichen Land. Innerhalb dieses Mosaiks ist das Zusammenleben der Indonesierinnen und Indonesier geprägt vom Prinzip gotong royong: Solidarität und Kooperation.

Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) schliessen sich in diesem Geiste unseren Schwestern und Brüdern in Indonesien und weltweit solidarisch an, um Harmonie zu pflegen, Gerechtigkeit zu fördern und die Schwachen zu schützen.

In Europa dauern soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeiten an und nehmen zu, die Flüchtlinge an unseren Grenzen sind unerwünscht und ganze Gemeinschaften werden ausgeschlossen und an den Rand gedrängt. Angesichts dieser Lebenswirklichkeiten sind wir als Christinnen und Christen aufgerufen, lebendige Zeuginnen und Zeugen des einen Leibes Christi zu sein. Wir finden Hoffnung in christlichen Gemeinschaften, die radikale Gastfreundschaft praktizieren und so von der Gnade und Barmherzigkeit zeugen, die uns zuerst zuteilwurden. Durch solchen Dienst kommen wir auch der bisher unerreichten sichtbaren Einheit der Kirche Christi näher.

Die KEK und der CCEE werden auch weiterhin gemeinsam betend hier und jetzt am kommenden Königreich arbeiten. Wir unterstützen uns gegenseitig sowie alle Bemühungen, Ungerechtigkeiten zu überwinden, Gastfreundschaft auszuweiten, den Bedürftigsten unsere Freundschaft zu zeigen und von einer Hoffnung Zeugnis abzulegen, die in der einzigartigen Gnade Jesu Christi verwurzelt ist.

Fr Heikki Huttunen, Generalsekretär KEK
Fr Martin Michalíček , Generalsekretär CCEE