2021: Jahr der Ökumene

Gleich mit mehreren aktuellen und gesellschaftlich relevanten Themen hat sich die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Deutschland im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung im September 2019 befasst. Die Mitglieder der ACK sprachen sich spontan für ein gemeinsames Jahresmotto aller ökumenischen Veranstaltungen unter dem Titel „2021: Jahr der Ökumene“ aus. Auch in der Schweiz könnte 2021 als Jahr der Ökumene gefeiert werden.

In Deutschland werden 2021 gleich mehrere, für die Ökumene höchst relevante Ereignisse stattfinden: 3. Ökumenischer Kirchentag in Frankfurt am Main, Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) in Karlsruhe, zudem die Gebetswoche für die Einheit der Christen und ein Ökumenischer Tag der Schöpfung im Dreiländereck zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz auf dem Bodensee. Aufgrund dieser Häufung bedeutsamer ökumenischer Ereignisse sprachen sich die Mitglieder der ACK Deutschland für ein gemeinsames Jahresmotto aller ökumenischen Veranstaltungen unter dem Titel „2021: Jahr der Ökumene“ aus. Das Motto wäre auch in der Schweiz geeignet: 2021 feiert die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz ihr 50. Jubiläum. In der Westschweiz wird ein ökumenisches Forum nach dem Modell des „Global Christian Forum“ auch in 2021 geplant.

Tendenz zur „Archipelisierung“?
Im Rahmen der Mitgliederversammlung der ACK Deutschland referierte Reverend Sören Lenz, Exekutivsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) in Strassburg zum Thema „Kurz vor dem Brexit – nach der Wahl: Europa vor einer Zerreissprobe?“. Anhand der Beispiele der „Gelbwestenbewegung“ in Frankreich, des Brexit und des Erstarkens der AfD in Deutschland arbeitete er heraus, dass sich grössere Teile der jeweiligen Bevölkerung von den politischen Eliten auf nationaler und internationaler Ebene nicht mehr vertreten fühlten. Dabei handle es sich vielfach um Angehörige der Mittelschicht, die von Abstiegsängsten geplagt sei. Deshalb fühlten sie sich von populistischen Unabhängigkeitsbestrebungen angesprochen. Insgesamt, so Sören Lenz, setze sich die Tendenz zur „Archipelisierung“ fort. Menschen bewegten sich zunehmend innerhalb von Gruppen, die ihre eigenen Überzeugungen teilten. Zu dieser „Blasenbildung“ trügen auch die Sozialen Medien wesentlich bei. Zugleich lasse sich auch innerhalb der Kirchen die Tendenz feststellen, dass sie in ihrer Positionierung zu grundsätzlichen Fragen, wie zum Beispiel im Bereich von Ehe und Familie, auseinanderdriften.

Ökumene der Kirchen als gutes Beispiel für internationale Beziehungen zwischen Staaten
Die Kirchen könnten in ihren internationalen Organisationen wie der KEK gleichwohl ein positives Beispiel für ein konstruktives und zukunftsweisendes Miteinander in Europa geben. Sie lebten gerade auf dem Gebiet der Ökumene nach dem Grundsatz der versöhnten Verschiedenheit und der „Einheit in Vielfalt“.

© ACK Deutschland, Bearbeitung AGCK.CH


20. Jahrestag der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre

Der Lutherische Weltbund und die Römisch-Katholische Kirche haben vor 20 Jahren am Reformationstag (31. Oktober 1999) in Augsburg die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre unterzeichnet. Ein Meilenstein in der Geschichte der Ökumene!

Mit der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre (GER) konnten Lutheraner und Katholiken einen Konsens über eine Frage definieren, die die Kirche im Westen tief gespalten hat. Gemeinsam erklären sie, dass Rechtfertigung allein aus Gnade und allein durch Glauben geschieht. Der Mensch wird ‚unabhängig von Werken gerechtfertigt. Verbleibende Unterschiede „in der Sprache, der theologischen Ausgestaltung und der Akzentsetzung des Rechtfertigungsverständnisses“ gelten als „tragbar“. Damit war für die Römisch-katholische Kirche und den Lutherischen Weltbund eine der wichtigsten Streitfragen des 16. Jahrhunderts so bearbeitet worden, dass die verbliebenen Unterschiede keinen kirchentrennenden Charakter mehr haben. Zudem konnten sie erklären, dass die gegenseitigen in der Vergangenheit zum Ausdruck gebrachten Verurteilungen nicht mehr anwendbar seien.

Die Unterzeichner der GER hätten sich kaum vorstellen können, welch grosse Wirkung dieses Dokument in den folgenden Jahren entfalten sollte. Aufgrund seiner Dringlichkeit, gemeinsam die Botschaft von Gottes befreiender Gnade und Hoffnung für diese Welt zu verkünden, hat dieses Dokument nicht nur Katholiken und Lutheraner miteinander verbunden: Inzwischen haben die Weltkonferenz methodistischer Kirchen (2006), die Anglikanische Gemeinschaft (2016) und die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (2017) ihre weitgehende Zustimmung bekundet. Diese breite Rezeption ist ein ökumenisch kaum zu überschätzender Erfolg.

Die GER war der theologische Grundpfeiler, der es Katholiken und Lutheraner ermöglichte, das Dokument Vom Konflikt zur Gemeinschaft (2013) zu erarbeiten, und 2016 gemeinsam des 500. Jahrestages der Reformation in Lund/Malmö (Schweden) zu gedenken.

Der Lutherische Weltbund und der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen schlagen eine Liturgie zur Feier dieses wichtigen Jahrestages vor.

Liturgie Deutsch
Liturgie Englisch


Was die Gesellschaft an den Kirchen hat

Am 24. September 2019 hielt die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr, auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen im Kanton Zürich einen Vortrag zum Thema: „Was die Gesellschaft an den Kirchen hat“. Dabei erläuterte sie einige der sieben „Leitsätze zum Verhältnis von Staat und Religion“ vertieft, die der Zürcher Regierungsrat im November 2017 verabschiedet hatte. Sie betonte die Wichtigkeit der Religionsgemeinschaften für Staat und Gesellschaft sowie die Bedeutung der sieben Leitsätze für kleinere, nicht öffentlich anerkannte Kirchen.

Nächstenliebe und Solidarität sind wichtige Werte in der Gesellschaft
„Religiöse Überzeugungen bilden eine wichtige Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenlebens“, zitierte die Regierungsrätin den ersten Leitsatz und fügte an, dass Religionsgemeinschaften für den Staat wichtig seien. Sie hätten eine besondere Rolle in der Gesellschaft, weil religiöse Überzeugungen Haltungen, Einstellungen und innere Werte prägten. Der Staat baue zwar auf ihnen auf, könne diese aber nicht selbst vermitteln. Als spezifisch christliche Werte erwähnte Fehr die Nächstenliebe, die den Egoismus eindämme, Solidarität mit den Armen sowie Aufrichtigkeit. Christen hätten auch eine besondere Sicht bezüglich der Umweltproblematik, da sie die Erde als Schöpfung Gottes bewahren wollten. Jacqueline Fehr ermutigte die anwesenden Kirchenvertreter, in Predigt und Blog etc. öffentlich ihre Stimme zu erheben.

„Zum Umgang mit verfassungsrechtlich nicht-anerkannten Religionsgemeinschaften braucht es klare Handlungsgrundlagen“, heisst es im 7. Leitsatz. Der Regierungsrat des Kantons Zürich strebe mit nicht-anerkannten Religionsgemeinschaften mehr Verbindlichkeit an, so Fehr. Es seien Ausbildungslehrgänge für muslimische Seelsorger geschaffen worden und die orthodoxen Kirchen hätten einen Dachverband gegründet mit einem Beirat von Vertretern der anerkannten Kirchen. Es gelte aber auch zu verhindern, dass „religiöse Milieus entstehen, die unsere Rechtsordnung missachten oder Parallelstrukturen dazu aufbauen“, heisst es in den Erläuterungen zum 7. Leitsatz. Mit Bezug auf den 2. Leitsatz, dass die religiösen Gemeinschaften den öffentlichen Frieden wahren sollen, sprach Fehr auch Grenzen im Umgang mit Religionsgemeinschaften an.

Communiqué der Ev.-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich
Sieben Leitsätze zu „Staat und Religion im Kanton Zürich“

Referat und Bilder

© APD Schweiz


Auch 50 Jahre nach seinem Tod inspiriert Karl Bart immer noch … die Ökumene

Vor 100 Jahren, 1919, veröffentlichte der reformierte Schweizer Theologe Karl Barth eine revolutionäre Interpretation des Römerbriefes, die ihm sofort internationalen Ruhm einbrachte. Karl Barth ist einer der grössten Theologen des 20. Jahrhunderts, eines Jahrhunderts, dessen wechselvolle Geschichte – Nazizeit und Zwei-Weltkriegen, kirchlich das Zweite Vatikanische Konzil – grossen Einfluss auf sein Denken hatte. Barth äusserte sich zu allen theologischen Themen und damit auch zur Ökumene. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH) hat dieses Jubiläum auf ihre Weise gefeiert, indem sie den Theologen Matthias Wüthrich, Assistenzprofessor an der Universität Zürich und Barth-Spezialist, einlud, "Barth und die Ökumene" an ihrer Plenarversammlung am 18. September 2019 vorzustellen. Es folgte eine Diskussion über das Einheitsmodell, das die Kirchen der AGCK.CH pflegen. Karl Barth redet auch 50 Jahre nach seinem Tod noch zu uns!

Theologisches Programm in zwei Wörter: Jesus Christus
Das theologische Programm von Karl Bart lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: die christliche Theologie entfalttet sich allein von Jesus Christus her und auf Jesus Christus hin. Barth lehnte die natürliche Theologie heftig ab, eine Theologie, die andere Quellen der Offenbarung gelten lässt, die dem Menschen erlaubt, Gott in der Natur, in der Vernunft, aus dem Gewissen, in der Geschichte oder in bestimmten Institutionen – wie z.B. Staat oder Ehe – zu erkennen oder zu finden. Diese grundsätzliche Ablehnung zielte auf die katholische Theologie (mit ihrem Prinzip der "analogia entis", der Wesensanalogie, die Barth für die Erfindung des Antichrist hielt), aber auch auf die liberale evangelische Theologie (seit Schleiermacher) und die in den 10er und 20er Jahren und im Nazi-Deutschland stattfindende Vergöttlichung des (deutschen) Volkes. Was hätte Barth heute über den Aufstieg des rechten und linken Populismus in Europa zu sagen?

Die Ökumene der Freundschaft, des Lachens und der Busse
Karl Barths Freundschaft mit dem niederländischen Theologen Willem Visser'T Hooft (1900-1985) hat ihn stark beeinflusst (und umgekehrt). Bereits 1925 beteiligte sich Visser'T Hooft an den ersten ökumenischen Bewegungen und wurde 1948 zum ersten Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). Barth hielt das einleitende Hauptreferat an der ersten ÖRK-Vollversammlung in Amsterdam und hat sich intensiv an der Kommissionsarbeit beteiligt. Damals erkannte er die Beziehung der Kirchen zum Judentum, zum Volk Israel (im biblischen Sinne!) als "die eine grosse ökumenische Frage".

In den späten 1950er Jahren begann sich Barth für den Katholizismus zu interessieren. Er pflegte Beziehungen zu grossen Theologen wie Hans Urs von Balthasar, dem Jesuiten Henri Bouillard oder Hans Küng. Ein Besuch in Rom 1966 führte ihn dazu, eine (römisch-katholische) Kirche – kurz nach dem Zweiten Vatikanischen Konzils – zu entdecken, eine Kirche, die in eine "sicher echte und nicht rückgängig zu machende Bewegung geraten ist". In Rom ist er so vielen Christenmenschen begegnet, mit denen er "in aufrichtigem Ernst reden, aber auch herzlich lachen konnte". Karl Barths Sinn für Humor war in der Tat sprichwörtlich. Karl Barth zeigte in seinem Bericht über seine römische Reise, dass er "situativ" durchaus seine Ansicht revidieren konnte. Seine eigene Art, Busse zu tun?

An jede Kirche, "ihren" Herrn!
Für Karl Barth macht die Konversion von einer Kirche zur anderen keinen Sinn. Konversion kann einen Sinn nur haben, "wo sie die gewissensmässig notwendige Gestalt von Konversion nicht zu einer anderen Kirche sondern zu Jesus Christus, dem Herrn der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche ist“. Es gibt keine theologische, keine geistliche und auch keine biblische Rechtfertigung für die Spaltung der Kirchen, die Barth nicht scheut, als Skandal zu bezeichnen. Vielfalt der Kirche als solche ist nicht, wie einige es behaupten, Reichtum, sondern Defizit. Sie stellt ein Gegenzeugnis dar zu dem, was Christen bekennen: einen einzigen Herrn! Die Spaltung der Kirche ist theologisch Sünde, an der jeder Christmensch nur in ständiger Busse denken kann, ohne darauf zu warten, dass andere dies vor ihm tun oder ihre (grössere) Verantwortung (Schuld) anerkennen.

Welches ökumenische Modell?
Karl Barth lehnt daher die Vision der Einheit in der Vielfalt, in der versöhnten Verschiedenheit, der geglaubten unsichtbaren Einheit oder das Prinzip der überkonfessionellen Einheit oder einer Rückkehrökumene ab. Sein Modell ist dynamisch, situativ – da, wo Christen sind – und immer und nur christozentrisch. Die Konvergenz der Kirchen geschieht nicht in der direkten Beziehung zu den anderen Kirchen, sondern vermittelt über die ihnen gemeinsame Beziehung zu Jesus Christus. Die Kirche und die Christenmenschen müssen akzeptieren, "über sich verfügen zu lassen", denn Jesus Christus ist in seiner Macht die Einheit. Die Einheit wird im gemeinsamen Bekenntnis und Zeugnis sichtbar, wie es Christinnen und Christen der Bekennenden Kirche in den 1930er Jahren taten, auch unter Lebensgefahr.

Aus der anschliessenden Diskussion in der Plenarversammlung ergaben sich viele Fragen und Aussagen:

  • Die orthodoxe Theologie ist sehr stark auf den Heiligen Geist ausgerichtet. Welchen Platz können die Orthodoxen in einem so ausschließlich christozentrischen Ökumene-Modell finden? Einheit ohne Orthodoxie ist einfach undenkbar.
  • Warum schreitet die Ökumene nur dann voran, wenn die Kirchen einerseits einen gemeinsamen Feind identifizieren (Nazismus für die Bekennende Kirche in Barths Mannesjahren) oder andererseits ihre finanziellen Mittel sinken? Ist das nicht auch Teil des Skandals, den Barth anprangert?
  • Sicherlich kann man der institutionellen Ökumene kritisch gegenüberstehen. Einheit ist nur sichtbar, wenn Christinnen und Christen gemeinsam feiern, beten und bezeugen. Leider erleben einige Gemeindeleiter, dass ihre Gemeindemitglieder nicht an ökumenischen Feiern teilnehmen. Eigentlich sind wir alle für die Ökumene, aber vor allem für andere!
  • Es bedurfte der institutionellen Annäherung und des Dialogs, um den Boden dafür zu bereiten. In der Schweiz tragen nationale und kantonale ökumenische Plattformen seit ihrer Gründung in den 1960er Jahren dazu bei. Internationale Gremien wie der ÖRK haben ebenfalls zur Klärung theologischer Unterschiede beigetragen und werden dies auch weiterhin tun. Theologinnen und Theologen leisten ihre Arbeit und schlagen konkrete Instrumente für Gemeinschaften und Kirchenleitungen vor (siehe Publikationen der Groupe des Dombes). Man kann jedoch nicht umhin, eine gewisse Frustration zu spüren: Was tun die kirchlichen Institutionen, um auf das Leid zu reagieren, das durch Spaltungen verursacht wird? Was tun sie, um das gemeinsame Glaubensleben zu fördern, Stichwort: Eucharistische Gastfreundschaft? Was ist das Ziel der Ökumene im Jahr 2019? Wo ist die Nachfolge in den Institutionen?
  • Das grösste Problem ist heute die Konkurrenz, die die Kirchen unter einander befeuern.
  • Die Präambel der Statuten der AGCK.CH ist weiterhin relevant: „Im Glauben an den einen Herrn Jesus Christus, Retter der Menschen, Haupt der Kirche und Herr der Welt, besteht eine Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH). Sie will die in Jesus Christus begründete und bestehende Einheit der Kirchen auf der Grundlage der Heiligen Schrift bezeugen…" Das Oecumenica-Label, das die AGCK.CH an lokale Projekte vergibt, ist ein Instrument, um die Einheit sichtbar zu machen.

Fazit: Unsere Hoffnung ist in Jesus Christus und Jesus Christus handelt durch die Menschen, die Barth manchmal als Partner Gottes bezeichnet hat. Wir brauchen heute vermehrt eine mutige Inkarnation!

Anne Durrer, Generalsekretärin der AGCK.CH

Handout zum Vortrag Prof. Dr. Wüthrich


KEK-Friedenskonferenz: Aus der Vergangenheit lernen, sich die Zukunft vorstellen

Auf der Friedenskonferenz der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) versammelten sich vom 10. bis 12. September in Paris über sechzig Vertreterinnen und Vertreter der KEK-Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen aus ganz Europa. Die Konferenz stand im Zeichen des diesjährigen 60. Jubiläums der KEK und hebt ihre Rolle für den Frieden und die Versöhnung hervor.

Die Konferenz stellte das Erbe der Pariser Friedenskonferenz von 1919 in den Mittelpunkt und strebte nach neuen und kreativen Wegen der Friedenskonsolidierung. Auf der Pariser Friedenskonferenz von 1919 begegneten sich die Alliierten nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und bestimmten die Bedingungen für den Frieden. Daraus ergaben sich Impulse für eine Reihe von Dialogen und Begegnungen auf der KEK-Friedenskonferenz.

In seiner Eröffnungsrede sagte Dr. Johnston McMaster der Irish School of Ecumenics des Trinity College in Dublin: „Es gibt weder Frieden noch Versöhnung, wenn der sozioökonomische Strang nicht aufgegriffen und umgesetzt wird.“

„Wenn wir uns literarisch und historisch mit der kontextbezogenen Lektüre des klassischen Textes von Paulus an die Korinther zur Versöhnung auseinandersetzen, werden wir die zentrale sozioökonomische Vision und den Strang erkennen“, fügte McMaster hinzu. „Es könnte sein, dass die sozioökonomische Gerechtigkeit 1919 in Paris ein fehlendes Teilchen für den Frieden war.“

In seiner Eröffnungsbotschaft erinnerte KEK-Präsident Pastor Christian Krieger die Teilnehmenden daran, dass die Konferenz Europäischer Kirchen 1959 in der Folge des Zweiten Weltkriegs aus einem zerbrochenen und gespaltenen Europa heraus entstand.

„Zu dieser Zeit gab es einen großen Bedarf, politische Klüfte zu überwinden und für Heilung und Frieden zu arbeiten. Diese ursprüngliche Aufgabe ist heute immer noch unser Antrieb, während wir uns weiterhin für ein menschliches, soziales und nachhaltiges Europa des Friedens stark machen“, sagte er.


100 Jahre „VFG - Freikirchen Schweiz“

Der Verband Evangelischer Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz – „VFG - Freikirchen Schweiz“ – feiert am 13. September in Bern sein 100-jähriges Bestehen. Dem Verband gehören 17 Freikirchen vor allem aus der Deutschschweiz als Mitglieder an, zwei im Gäste- und eine im Beobachterstatus. Das Jubiläum fällt zusammen mit dem 500-jährigen Bestehen von Freikirchen, deren erste 1519 in Zollikon am Zürichsee gegründet worden ist.

Von der Grippe-Epidemie 1919 ins 21. Jahrhundert
Um der Grippe-Epidemie Einhalt zu gebieten, beschlossen die Schweizer Behörden 1918 ein Versammlungs- und Gottesdienstverbot, welches die freikirchlichen Kreise im Kern traf. Das Gottesdienstverbot wurde als ungerecht empfunden, da die Landeskirchen davon nicht betroffen waren und Restaurants und Gasthäuser geöffnet bleiben durften. Da die Schweizerische Evangelische Allianz SEA von den Behörden nicht als Ansprechpartner akzeptiert wurde, veranlasste sie am 18. November 1919 in Aarau den «Verband unabhängiger evangelischer Korporationen (Kirchen, Gemeinschaften, Gesellschaften und Vereine) der Schweiz» zu gründen. Er sollte sich als rechtliche Körperschaft für die Interessen der Freikirchen, Gemeinschaften und evangelischen Werke einsetzen.

Die dritte christliche Kraft
Seither engagiert sich der Verband „VFG – Freikirchen Schweiz“ als nationaler Kirchenverband für die Vernetzung unter den angeschlossenen freikirchlichen Bewegungen, betreibt Öffentlichkeitsarbeit, beteiligt sich politisch an Vernehmlassungen des Bundes und tritt für christlich-ethische Werte in der Gesellschaft ein. Der Verband versteht sich als dritte Kraft der christlichen Kirchen neben den Evangelisch-reformierten und Römisch-katholischer Kirchen.

Verbunden mit der nationalen Ökumene
Am 12. September 2017 verlieh die Plenarversammlung der AGCK Schweiz  dem VFG einstimmig den Gaststatus. "Der VFG möchte im Gaststatus bei der AGCK.CH mitarbeiten, da die Kirchen in der Schweiz mit einem zunehmend säkularen Umfeld konfrontiert sind. Die Religionsfreiheit sei sehr wichtig", sagte damals der heutige VFG-Präsident, Pastor Peter Schneeberger. Der Gaststatus würde ihm mehr Gewicht und Glaubwürdigkeit intern wie auch gegen aussen verleihen.

500 Jahre Freikirchen
Das klassische, protestantische Freikirchentum hat seine Wurzeln in der Schweiz und ist 500 Jahre alt. Laut VFG-Webseite bezeichnete der Zürcher Kirchenhistoriker Fritz Blanke das Dorf Zollikon am Zürichsee als Ort, „wo innerhalb der protestantischen Geschichte zuerst versucht wurde, eine staatsfreie und auf freiwilliger Mitgliedschaft beruhende christliche Gemeinschaft zu verwirklichen“.

© APD/AGCK.CH

Jubiläumsbroschüre Profile einer dynamischen Bewegung
Schweizer Freikirchen – was sie seit 100 Jahren verbindet


Die Arbeitsgemeinschaft der Kirchen im Kanton Bern wird 50

Am 8. September feierte die Arbeitsgemeinschaft der Kirchen im Kanton Bern ihr 50-Jahr-Jubiläum. Musik verschiedener Traditionen prägte die Feier. Fröhlich-feierliche Töne des Bläserensembles der Heilsarmee, traditionelle Gesänge des Ensembles der serbisch-orthodoxen Gemeinde Bern und die mächtigen Töne der Orgel in der französischen Kirche haben den Anlass getragen. Gäste, Vertreterinnen und Vertreter der AKB-Mitglieder haben an 50 Jahre gelebter Ökumene im Kanton Bern erinnert. Pfarrer Christoph Knoch, Präsident der AKB, führte durch die Feier. Nach 50 Jahren gemeinsamen Unterwegsseins halten die AKB-Mitglieder fest: „Das Kirchenverständnis der Mitglieder und Gäste in der AKB ist vielfältig.“

Das zweite Vatikanische Konzil (1962-1969) liess Hoffnungen keimen, dass die strikten konfessionellen Trennungen aufgeweicht, sogar überwunden werden können, nach dem Motto: „aggiornamento“. In dieser Zeit sind zahlreiche ökumenische Plattformen in der Schweiz entstanden, so die AKB als zweitälteste kantonale Arbeitsgemeinschaft (nach der 1965 gegründeten AGCK des Kantons Zürich).

Seit 1969 ist sie „ein Ort der Begegnung, Beratung und Besinnung für Delegierte und Gäste aus christlichen Kirchen, Organisationen oder Gemeinschaften, die im deutschsprachigen Teil des Kantons Bern angesiedelt und tätig sind. Sie verpflichtet sich, die sich immer wieder verändernde Vielfalt der lokalen Kirchen wahrzunehmen. In Begegnung und Gespräch ermöglicht sie den Austausch und das gemeinsame Wirken zum Wohl der Menschen.“ (Zweckartikel der Statuten von September 2014).

Zum 50-Jahr-Jubiläum wünsche ich der AKB weiterhin den Mut und die Kraft, über Mauern zu springen. Franz Scherrer, ehemaliger Vertreter der römisch-katholischen Landeskirche in der AKB

Standen in den Anfangsjahren Kontakte zwischen Landes- und Freikirchen im Zentrum, so hat sich ihr Schwerpunkt inzwischen zu den orthodoxen Kirchen hin verschoben. Heute zählt die AKB sieben Mitglieder, vier Kirchen und Gemeinschaften mit Gaststatus und sieben ständige Gäste. Eine wichtige Aufgabe für die Zukunft sind Kontakte zu neu entstehenden Migrationsgemeinden.

Das Papier Die Kirche: Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Vision der Kommission für Glaube und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirche von 2013 inspiriert ihre Mitglieder: „Jede lokale Kirche birgt in sich die Fülle dessen, was es heisst, Kirche zu sein. Sie ist ganz Kirche, aber sie ist nicht die ganze Kirche. Daher sollte die Ortskirche nicht getrennt von anderen lokalen Kirchen, sondern in einem dynamischen Verhältnis mit ihnen gesehen werden.“

Der Blick von aussen durfte am Jubiläumsanlass nicht fehlen. So sollte der Bund-Journalist Dölf Barben, der seit Jahren kirchliche Themen behandelt, die Frage Welche Kirche braucht es heute? aus seiner Perspektive beantworten. Seine Vision für Kirche ist eine Art geistlichen und ruhenden Pols mitten in der Stadt (oder im Grossquartier): „Ein Haus der Kirchen, das durchaus auch ein Haus der Religionen sein dürfte, wo immer etwas los ist, immer ein Seelsorger, eine Seelsorgerin ansprechbar ist, wo Menschen sich treffen, feiern, Unterstützung und Gemeinschaft finden, ja, wer weiss, vielleicht wird das wie eine Art ‹Tempelbezirk›?“

Referat Dölf Barben mit Ton

Zur Webseite der AKB
Rückblick auf die Feier

 


EVP Schweiz lanciert Charta der Religionsgemeinschaften

Am 22. August hat die Evangelische Volkspartei der Schweiz (EVP) die Charta für Religionsgemeinschaften vorgestellt. Die Charta enthält 22 Leitsätze für ein friedliches Zusammenleben der Religionsgemeinschaften in der Schweiz, die von der EVP zur Diskussion gestellt werden. Sie basiert auf den Menschenrechten und soll eine Antwort auf die religionspolitischen Herausforderungen durch die zunehmende Religionsvielfalt sowie ein Instrument des Dialogs und der Zusammenarbeit sein.

 „Damit in einer pluralistischen Gesellschaft ein Dialog auf Augenhöhe und ein friedliches Neben- und Miteinander möglich ist, braucht es Leitlinien für das Zusammenleben unterschiedlicher religiöser Gruppen“, begründet Marianne Streiff, EVP-Parteipräsidentin die Entwicklung der Charta.

„Die Charta kann für Religionsgemeinschaften eine Möglichkeit sein, sich öffentlich zu den Werten unserer Gesellschaft und zu unserem Rechtssystem zu bekennen und damit Akzeptanz und Vertrauen zu schaffen“; das sei laut Marianne Streiff eine wichtige Intention der Charta. Mit ihrer Unterschrift könnten Religionsgemeinschaften somit ihre aktive Bereitschaft zur gesellschaftlichen Integration bezeugen.

Ausgangspunkt der Charta ist die Menschenwürde. Sie legt den Fokus auf die Rechte und Pflichten, die mit der Religionsfreiheit verbunden sind. „Alle Rechte gehen einher mit der Pflicht, sie auch für andere zu akzeptieren. So entfaltet die Charta auch präventive Wirkung, in dem sich die Religionsgemeinschaften verpflichten, sich gegen Hassaufrufe zu stellen oder Dialog als Konfliktlösungsansatz zu priorisieren“, erläuterte der Berner EVP-Grossrat Marc Jost.

Die Charta erlaubt und anerkennt im Gegensatz zu vielen anderen Dokumenten ihrer Art die Vielfalt der Gemeinschaften – auch innerhalb einer Konfession. Sie legt damit Wert auf den intra-religiösen und nicht nur den interreligiösen Dialog. Einziges Kriterium zur Unterzeichnung der Charta ist die Bereitschaft der Religionsgemeinschaften, sich im Sinne einer Selbstdeklaration zu deren Leitsätzen zu verpflichten. Es sind keine Kriterien wie Grösse oder rechtliche Anerkennung der Religionsgemeinschaft definiert. Die Charta thematisiert unter anderem Machtfragen, die Förderung demokratischer Strukturen in der Religionsgemeinschaft, die Beteiligung von Frauen und Männern bei der Entscheidungsfindung, den professionellen Umgang mit Menschen in Not (Seelsorge) sowie Transparenz in der Führung und bei den Finanzen.

Zur Charta

© APD

 


Weltweite Evangelische Allianz ruft 2020 zum globalen Jahr der Bibel aus

Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) hat das Jahr 2020 zum Jahr der Bibel erklärt, das im September 2019 beginnen soll. Laut dem WEA-Generalsekretär, Bischof Efraim Tendero, sollen weltweit evangelische Christinnen und Christen häufiger in der Bibel lesen und mehr in deren Übersetzung und Veröffentlichung investieren.

 Im Rahmen des „Jesus Global Youth Day” vom 8. bis 10. August in der philippinischen Hauptstadt Manila hob Bischof Efraim Tendero die beispiellose Rolle der Bibel in über tausend Jahren Weltgeschichte hervor: „Weist auf die Bibel und den Schöpfer hin, dessen Wort wahr, rechtschaffen und für immer gültig ist“, appellierte Tendero an die jungen Christinnen und Christen, die daran teilnahmen.

Einjährige Initiative startet im September 2019
"
Wir werden die Bedeutung der Bibel als dauerhafte Grundlage für die Förderung von Einheit, Freiheit, Entwicklung und Lebensqualität heute und in den kommenden Jahren hervorheben", so der Generalsekretär der WEA). Die einjährige Initiative wird am 15. und 16. September offiziell im Museum of the Bible in Washington, DC, gestartet. Anschliessend wird damit gerechnet, dass Allianzen in den Mitgliedsländern nationale Initiativen starten.

Die Ziele des Bibeljahres
Die WEA hat sich folgende Ziele für dieses Bibeljahres festgesetzt:

  • Zunehmendes und reflektierendes Lesen der Bibel durch Einzelpersonen und Gemeinschaften auf der ganzen Welt;
  • Übersetzung, Veröffentlichung und Verbreitung der Bibel in so vielen Sprachen, wie sie benötigt wird;
  • Menschen, insbesondere der jüngeren Generation, sollen in allen Lebensbereichen Ressourcen bereitgestellt werden, die eine bessere Auseinandersetzung mit der Bibel ermöglichen.

Webseite Bible 2020

© APD 15.8.2019


Neues Gastmitglied beim Bund der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein

Am 23. März 2019 fand die diesjährige Bundesversammlung des Bundes Evangelisch-Lutherischer Kirchen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein (BELK) in Basel statt. Aus allem Mitgliedskirchen des BELK waren die Delegierten angereist. Der BELK ist auch dieses Mal wieder gewachsen. Nach der finnisch-lutherischen Kirche in der Schweiz (2017) und der dänisch-lutherischen Kirche in der Schweiz (2018) wurde nun die schwedische, lutherische Kirche Zürich-Basel als Gastmitglied aufgenommen.

 

Als Gast in der Versammlung wurde Cordelia Vitiello begrüsst. Sie gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien und ist Mitglied des Rates des Lutherischen Weltbundes (LWB). Sie berichtete über die diakonische Arbeit ihrer Heimatkirche in Italien sowie über die Strategie des LWB und seine Bedeutung für die Mitgliedskirchen.

 

Fotolegende

Das Foto zeigt die Unterzeichung der Gastmitgliedschaft durch Pfr. Magnus Nordström (schwedische Kirche, stehend) und Pfr. Jörg Winkelströter (Präsident des BELK, sitzend).