Religionsfreiheit ist kein Recht der Religionen, sondern der Menschen

Am 15. März 2019 referierten und debattierten an einer religionspolitischen Tagung an der Universität Fribourg Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und verschiedener (a)religiöser Organisationen über die Rolle, die Religion und Glauben heute in der Öffentlichkeit zusteht. Dabei war das Verhältnis von Kirche und Staat als auch die Unverzichtbarkeit der Religionsfreiheit in einer pluralistischen Diskurskultur ein Thema.

Religionsgemeinschaften leisteten wichtige Beiträge für das Gemeinwohl und die gesellschaftliche Entwicklung, schreibt die Schweizerische Evangelische Allianz SEA in einer Medienmitteilung zur Tagung. Zu nennen seien unter anderem die zahlreichen Angebote, die verschiedene Kirchen in der Schweiz zur Unterstützung von Flüchtlingen in den letzten Jahren initiiert hätten. Nach wie vor sei Religion für Menschen in der Schweiz eine wichtige Grundlage ihres gesellschaftlichen Engagements. Auf der anderen Seite gäbe es aber auch Menschen, die Religion zwar als private Option tolerierten, ihr aber keine öffentliche Anerkennung mehr zugestehen wollten und noch andere fühlten sich durch Religion provoziert.

Die Unverzichtbarkeit der Religionsfreiheit in einer pluralistischen Diskurskultur
Heiner Bielefeldt, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg/Deutschland und ehemaliger UN-Sonderberichterstatter Religionsfreiheit, stellte in seinem Referat einleitend fest, dass es beim Menschenrecht der Religionsfreiheit umfassend um Gedanken-, Gewissens-, Religions- und Weltanschauungsfreiheit gehe. Das werde reduziert auf «Religionsfreiheit». Die grossen Dramen der Missachtung der Religionsfreiheit mit systematischen Verfolgungen, Vertreibungen, Unterdrückung, Folter, Mord, Entfremdung der Kinder von den Eltern, spielten sich nicht in Europa ab, so Bielefeldt.

Ungleichzeitigkeiten: Strukturen haben Wandel nicht nachvollzogen
Die Herausforderungen der Religionsfreiheit in europäischen Demokratien verortete er in den Veränderungen der Gesellschaft, die nicht durch Anpassung der Strukturen nachvollzogen worden sei (Staatskirchenrecht in Deutschland) und zu faktischer Diskriminierung führen könne, die aber nicht gewollt sei.

Diskriminierung: «Kreuz und Kottelet»
Es werde von gewissen Politikern eine aggressive Religions- und Identitätspolitik betrieben, mit der Ressentiments mobilisiert würden. Man spreche dann von «Leitkultur». Das Aufhängen von Kreuzen in staatlichen Räumen werde gefordert und das Schweinefleischessen in Schulkantinen werde zur Ausgrenzung missbraucht: «Kreuz und Kottelet» laute ein Abgrenzungsslogan.

Skepsis gegenüber Religionsfreiheit: Angriffe auch aus linksliberaler Ecke
Er beobachte seit einiger Zeit auch Angriffe auf die Religionsfreiheit aus linksliberaler Ecke, so der ehemalige UN-Sonderberichterstatter. Religionsfreiheit werde von diesen Kreisen als antiliberales Recht verstanden und passe deshalb nicht in eine liberale Menschenrechtsagenda. «Man hat Angst, Religionsfreiheit mache Errungenschaften des säkularen Rechtsstaates zunichte», sagte Heiner Bielefeldt. Diese Position sei untergründig stark im Rechtspopulismus vertreten, aber auch im Feminismus.

Religionsfreiheit: «Privatsache»
Die Forderung, Religionsfreiheit als Privatsache zu verstehen, sei die Herausforderung der Religionsfreiheit in unserer Zeit. Er gab zu bedenken: «Ein Staat, der religiöse Fragen in die Privatsphäre abdrängt, verletzt damit die Religionsfreiheit.»

Religionsfreiheit ist kein Recht der Religionen, sondern der Menschen
Es gäbe keine Freiheit ohne Grenzen. Die Religionsfreiheit werde aber von Regierungen gerne «zurechtgeknetet», indem «vernünftige» Grenzen gefordert würden. Grenzen, so Bielefeldt, müssten aber plausible Kriterien zugrunde liegen und sie müssten legitime Ziele verfolgen. So müsse der Staat beim Ausschluss gewisser christlicher Jugendorganisationen von Fördergeldern diesen plausibel begründen.

Trennung von Religionsgemeinschaft und Staat
Die Forderung der Trennung von Religionsgemeinschaft und Staat sei für ihn negativ besetzt, so Professor Bielefeldt. Es gehe vielmehr um eine bewusste «Abstandnahme», die der Staat zu Religionsgemeinschaften und Religionslosen pflegen sollte. Säkularismus sollte als raumgebendes Prinzip verstanden werden und nicht als leerer Raum. «Religionsfreiheit ist Begründung für den säkularen Staat», sagte er. Der Staat habe im offenen Raum eine Gestaltungsaufgabe. Bielefeldt bezog in seinem Referat Stellung für die öffentliche Präsenz von Religion.

Engagierte, mitunter kontroverse Podiumsdiskussion
«Es wird heute schon fast als übergriffig dargestellt, wenn man seine Religiosität noch öffentlich zeigt», stellte EVP-Nationalrätin Marianne Streiff auf dem Podium fest. Andreas Kyriacou, Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz (FVS), gesteht Religionsgemeinschaften ihren Platz in der Öffentlichkeit zu. Ihn stört aber die Sonderstellung der Landeskirchen. Der Staat solle religiöse Organisationen gleich behandeln wie andere zivilgesellschaftliche Akteure, beispielsweise Umweltschutzorganisationen. Für Nationalrat Gerhard Pfister (CVP), wäre es durchaus reizvoll zu sehen, wie die Landeskirchen sich ohne staatliche Gelder schlagen würden. «Es würde sie möglicherweise aus einer gewissen Bequemlichkeit herausholen.» Neben Referaten und Podiumsdiskussion vertieften die Teilnehmenden die Rolle von Religion in der Öffentlichkeit in verschiedenen Workshops. Diskutiert und Lösungsansätze skizziert wurde etwa zu den Fragen, ob und wie sich religiöse Vertreter zu assistiertem Suizid äussern sollen und wie sich die häufig in die Sektenecke geschobenen Freikirchen von dieser Diskriminierung befreien können.

Fallbeispiele: Sonntagsschutz; Streichung von Fördergeldern; Spitalseelsorge
Die vorgestellten Beispiele unter dem Titel «Herausforderungen in der Schweiz» bezüglich der Religionsfreiheit, thematisierten den Sonntagsschutz, die Streichung der Fördergelder für christliche Jugendarbeit durch das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) und das BASPO sowie die Betreuung muslimischer Patienten in öffentlichen Spitälern.

Referenten und Referentin
Andi Bachmann-Roth, Evangelische Allianz; und Prof. Dr. Dr. h.c. Heiner Bielefeldt, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; Prof. Dr. Daniel Bogner, Universität Fribourg; Wolfgang Bürgstein, Justitia et Pax; Dilek Ucak Ekinci, Schweizer Zentrum Islam und Gesellschaft, Universität Fribourg; Prof. Dr. Frank Mathwig, Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund SEK und Universität Bern; Micheal Mutzner, Evangelische Allianz.

Die Tagung wurde organisiert von: Studienzentrum für Glaube und Gesellschaft, Universität Fribourg; Lehrstuhl für Moraltheologie und Ethik, Universität Fribourg; Schweizerische Evangelische Allianz SEA

Bild und Bericht: © apd-ch


Götterspeise und Teufelshörnchen – SchöpfungsZeit 2019

Weltweit wird im September die SchöpfungsZeit gefeiert. Die Pfarreien und Kirchgemeinden in der Schweiz werden mit dem Slogan "Götterspeise und Teufelshörnchen" eingeladen, den Geschmackssinn zu thematisieren – im Rahmen einer mehrjährigen Reihe zu den fünf Sinnen. Das gemeinsame Essen hat für kirchliche Gemeinschaften einen hohen Stellenwert und auch eine spirituelle Dimension. Die SchöpfungsZeit-Aktion bietet die Gelegenheit, bewusst die Dankbarkeit für Gottes gute Gaben zu pflegen und gleichzeitig die problematische Seite der Ernährung mit ihrer Umweltbelastung zur Sprache zu bringen.

Salzig, sauer, süss, bitter und würzig, sind die Eckpfeiler des Geschmackssinns. Im Mund entscheiden wir, ob uns etwas schmeckt oder nicht. Beim Essen erleben wir «Himmel und Hölle», wie die süsse Götterspeise oder das scharfe Teufelshörnchen zeigen. In solchen Benennungen kommt die spirituelle Dimension des Essens zum Ausdruck.

In der Bibel ist das Essen ein beherrschendes Thema. Schon im allerersten Kapitel wird eine – später wieder relativierte – Speisevorschrift festgehalten: Menschen wie Tiere sollen sich ausschliesslich von Pflanzen ernähren (Gen 1,29-30). Die spirituelle Bedeutung des gemeinsamen Essens zeigt sich eindrücklich am letzten Abendmahl Jesu. Im Zentrum des christlichen Gottesdienstes steht seitdem – neben dem Hören auf das Wort Gottes – die symbolische Mahlgemeinschaft in der Erinnerung an die Selbsthingabe Jesu für die ganze Schöpfung.

Kirchgemeinden und Pfarreien feiern Eucharistie, Abendmahl, das Agape-Mahl, laden zum Kirchenkaffee, zur Fastensuppe oder zum Mittagstisch ein. Dadurch wird die Gemeinschaft gestärkt und der Bezug zu Gott und seiner Schöpfung gepflegt. In der SchöpfungsZeit 2019 kann bewusst der Geschmackssinn geübt sowie erspürt und gekostet werden, wie gütig Gott durch all seine Gaben ist (vgl. Ps 34,9). Die SchöpfungsZeit-Aktion bietet gleichzeitig die Gelegenheit, aktuelle Ernährungsfragen wie Foodwaste oder die Klima- und Umweltbelastung der Nahrungsmittel zu thematisieren sowie möglichst schmackhafte und umweltverträgliche Menus zu erproben.

Empfehlung der AGCK.CH
Die Kirchen empfehlen seit der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung von Sibiu (2007), die SchöpfungsZeit zu feiern:

"Wir empfehlen, dass der Zeitraum zwischen dem 1. September und 4. Oktober dem Gebet für den Schutz der Schöpfung und der Förderung eines nachhaltigen Lebensstils gewidmet wird."

Materialen 2019
Zu den Unterlagen "Götterspeise und Teufelshörnchen" gehören:

  • eine Arbeitsdokumentation (verfügbar ab Ende Mai) mit Predigtimpulsen von der christkatholischen Pfarrerin Antje Kirchhofer und dem reformierten Theologen Jacques Matthey. Sie werden mit einer Zusammenstellung liturgischer Texte und Lieder, Ideen für Gottesdienste, Exkursionen und Aktionen mit Kindern und Jugendlichen ergänzt.
  • ein Magazin mit Beiträgen zum Geschmackssinn aus persönlicher, theologischer und ökologischer Sicht. Das Magazin erscheint Anfang Mai als Beilage zu bref (Magazin der Reformierten) sowie in Auszügen bei der Schweizerischen Kirchenzeitung. Einzelbestellungen sind möglich.

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Flyer 2019


Die Neuapostolische Kirche wird Gastmitglied der ACK Deutschland

Während der kommenden Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) am 2. und 3. April in Hofgeismar wird die Neuapostolische Kirche (NAK) als neues Gastmitglied der ACK aufgenommen. Dem haben die ACK-Mitgliedskirchen mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit zugestimmt. Vorausgegangen war ein mehrjähriger Prozess der Reflexion und Kommunikation.

Bereits im letzten Jahr hatte die Mitgliederversammlung den Mitgliedskirchen der ACK empfohlen, die Neuapostolische Kirche als Gastmitglied der ACK in Deutschland aufzunehmen. Nach einem über mehrere Jahre andauernden Kommunikationsprozess hatte die Kirche einen Antrag auf Gastmitgliedschaft gestellt. In einem schriftlichen Verfahren haben nun die Leitungen der 17 Mitgliedskirchen den Antrag mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit befürwortet, teilte die Ökumenische Centrale (ÖC) in Frankfurt/Main, die Geschäftsstelle der ACK Deutschland, mit.

Gespräche seit 2001
Die regelmässigen Gespräche zwischen der NAK und der ACK reichen bis ins Jahr 2001 zurück, als es zu ersten Kontakten auf regionaler Ebene kam. Dabei sei deutlich geworden, dass es in der NAK einen Öffnungs- und Wandlungsprozess gegeben habe. 2006 wurde in Memmingen erstmals eine NAK-Gemeinde Gastmitglied einer örtlichen ACK. 2008 nahm der Vorstand der ACK in Deutschland Gespräche mit der NAK auf. 2011 beschloss die Mitgliederversammlung der ACK in Deutschland offizielle theologische Gespräche mit der NAK zu führen. Die ökumenische Öffnung der NAK sei nachhaltig durch die Herausgabe des NAK-Katechismus im Dezember 2012 unterstützt worden. Das dort beschriebene Kirchenverständnis mache deutlich, so die Ökumenische Centrale, dass sich die NAK den Glaubensbekenntnissen der Alten Kirche verpflichtet fühle und die ökumenische Zusammenarbeit mit anderen Kirchen als wichtige Aufgabe betrachte.

Die NAK in anderen Ländern

  • Schweiz: In die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH) wurde die Neuapostolische Kirche im April 2014 als Kirche im Gaststatus aufgenommen. Zwischen 2003 und 2007 diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der Neuapostolischen Kirche Schweiz (NAK) und der AGCK Schweiz über Theologie- und Glaubensfragen. 2007 wurde eine ordentliche Gesprächskommission AGCK.CH – NAK gebildet, um den Dialog auf Augenhöhe weiterzuführen. Der Schlussbericht der Gesprächskommission wird in Frühling 2019 erwartet.
  • In Österreich ist die NAK seit 2014 Vollmitglied des Ökumenischen Jugendrates (ÖJRiÖ) nachdem sie dort einen zweijährigen Beobachterstatus hatte. Im April 2014 veröffentlichten der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) und die Neuapostolische Kirche Österreich gemeinsam eine „Orientierungshilfe für die Gemeinden“.
  • Im September 2016 wurde die NAK Mitglied im Rat der Kirchen in den Niederlanden, nachdem sie dort bereits 2014 einen Beobachterstatus hatte.
  • Die NAK ist seit Oktober 2017 auch Vollmitglied im Rat Christlicher Kirchen (RCK) in Luxemburg. Eine Gastmitgliedschaft gab es im RCK ab 2015.

1. März: Ökumenischer Weltgebetstag

Jeweils am ersten Freitag im März findet auf der ganzen Welt der ökumenische Weltgebetstag (WGT) statt. Und überall wird in den verschiedensten Sprachen nach derselben Liturgie gefeiert, die jedes Jahr von Frauen aus einem anderen Land verfasst wird.

Slowenien hat eine lange, bewegte Geschichte: von einer hochstehenden Kultur in prähistorischer Zeit bis zur heutigen demokratischen parlamentarischen Republik. Während der Zeit, als Slowenien Teil der sozialistischen Republik Jugoslawien war (1945 bis 1991), wurden Angehörige von Religionsgemeinschaften diskriminiert. Seit 1991 ist Slowenien ein unabhängiger Staat und seit 2004 Mitglied der EU.

Im Jahr 2001 wurde in Slowenien der Weltgebetstag zum ersten Mal gefeiert. Der Impuls dazu kam aus der Schweiz. Und nun schenken uns die slowenischen Frauen eine Feier zum Thema "Kommt, alles ist bereit!" Diese Aufforderung steht in einem Gleichnis, das Jesus im Lukasevangelium erzählt (Lk 14,17): Die zu einem Gastmahl Eingeladenen haben sich alle entschuldigen lassen. Der Gastgeber ist enttäuscht und lässt Arme, Behinderte und Randständige, die sonst nie zu so einer Einladung kommen, an seinen Tisch bitten, damit das Fest doch noch stattfinden kann.

Die sehbehinderte Künstlerin Rezka Arnuš hat ein Bild gestaltet, in welchem sie ihr Land zusammen mit der biblischen Geschichte darstellt: tanzende slowenische Frauen in ihren Nationaltrachten, Menschen mit verschiedenen Behinderungen und dazwischen, im Zentrum, der reich gedeckte Tisch mit Spezialitäten des Landes.

Mehr Informationen zum Land, zum Weltgebetstag und zur Gestaltung der Feier 2019 sind erhältlich auf dem WGT-Sekretariat; Materialien können über den Shop auf der Website www.wgt.ch bestellt werden.


Hoffnung in christlichen Gemeinschaften, die radikale Gastfreundschaft praktizieren

Jedes Jahr kommen Christinnen und Christen auf der ganzen Welt zusammen zum Gebet um Heilung von Trennungen und wachsende Einheit. Traditionell feiern wir die Gebetswoche für die Einheit der Christen jeweils vom 18. bis 25. Januar zwischen den Gedenktagen für das Bekenntnis des Apostels Petrus und die Bekehrung des Apostels Paulus.

Das Motto 2019 Gerechtigkeit, Gerechtigkeit – ihr sollst du nachjagen (5. Mose 16,18-20), sowie die Reflexionen dazu wurden von den Kirchen in Indonesien vorbereitet, in einem für seine sprachliche, kulturelle, ethnische und religiöse Vielfalt aussergewöhnlichen Land. Innerhalb dieses Mosaiks ist das Zusammenleben der Indonesierinnen und Indonesier geprägt vom Prinzip gotong royong: Solidarität und Kooperation.

Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) schliessen sich in diesem Geiste unseren Schwestern und Brüdern in Indonesien und weltweit solidarisch an, um Harmonie zu pflegen, Gerechtigkeit zu fördern und die Schwachen zu schützen.

In Europa dauern soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeiten an und nehmen zu, die Flüchtlinge an unseren Grenzen sind unerwünscht und ganze Gemeinschaften werden ausgeschlossen und an den Rand gedrängt. Angesichts dieser Lebenswirklichkeiten sind wir als Christinnen und Christen aufgerufen, lebendige Zeuginnen und Zeugen des einen Leibes Christi zu sein. Wir finden Hoffnung in christlichen Gemeinschaften, die radikale Gastfreundschaft praktizieren und so von der Gnade und Barmherzigkeit zeugen, die uns zuerst zuteilwurden. Durch solchen Dienst kommen wir auch der bisher unerreichten sichtbaren Einheit der Kirche Christi näher.

Die KEK und der CCEE werden auch weiterhin gemeinsam betend hier und jetzt am kommenden Königreich arbeiten. Wir unterstützen uns gegenseitig sowie alle Bemühungen, Ungerechtigkeiten zu überwinden, Gastfreundschaft auszuweiten, den Bedürftigsten unsere Freundschaft zu zeigen und von einer Hoffnung Zeugnis abzulegen, die in der einzigartigen Gnade Jesu Christi verwurzelt ist.

Fr Heikki Huttunen, Generalsekretär KEK
Fr Martin Michalíček , Generalsekretär CCEE

 


Die Selbstverpflichtungen des Lutherischen Weltbundes auf dem ökumenischen Weg

Dieses Jahr gibt es einen besonderen Anlass, die Fortschritte in der Ökumene zu feiern: 2019 jährt sich zum zwanzigsten Mal die Unterschrift der Gemeinsamen Erklärung über die Rechtfertigungslehre. Im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen der Erklärung im Laufe dieses Jahres stellt der Lutherische Weltbund (LWB) eine neue Publikation vor und bekräftigt sein ökumenisches Engagement. Die Publikation Die Selbstverpflichtungen des Lutherischen Weltbundes auf dem ökumenischen Weg hin zur ekklesialen Gemeinschaft wurde am 16. Januar 2019 im Rahmen eines Gottesdiensts in der Kapelle des Ökumenischen Rats der Kirchen in Genf vorgestellt. Die Publikation fasst die jüngsten Fortschritte in der Ökumene zusammen und listet sechs Möglichkeiten auf, wie die Lutheraner ihr Engagement für die Suche nach einer vollen und sichtbaren Einheit aller Christen bekunden.

Pfarrerin Dr. Kaisamari Hintikka, scheidende stellvertretende Generalsekretärin für ökumenische Beziehungen des LWB und Leiterin der Abteilung für Theologie und Öffentlichkeitsarbeit:

With the Catholics we’ve been in ongoing, continuous, theological discussions for more than 50 years, so it’s about time to look at what it means in the life of our local communities.

Zur Publikation

 

Gemeinsame Erklärung über die Rechtfertigungslehre

Nach vielen Jahren verbindlicher Gespräche wurde 1999 die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre von der Römisch-katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund unterzeichnet. Diese Übereinkunft in einer Frage – die Natur des christlichen Heils –, die in der Zeit der Reformation kirchentrennend war, stellt einen Meilenstein dar. Drei weitere Weltkirchengemeinschaften haben inzwischen unterschrieben: Anglikanische und Evangelisch-Methodistische und 2017, im Jahre des Reformationsjubiläums, die Reformierte.

 


Daniel de Roche im Interview

Seit 1. Januar 2019 präsidiert Pfarrer Daniel de Roche die AGCK Schweiz. Im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen hat er eine Interview der Tageszeitung La Liberté gegeben. Interview (in französischer Sprache), La Liberté 19.1.2019

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Alarmierende Zunahme der Christenverfolgung in China und Indien

Das christliche Hilfswerk Open Doors hat den „Weltverfolgungsindex 2019“ veröffentlicht. Von China bis zum südlichen der Sahara gelegenen Teil des afrikanischen Kontinents hätten gewaltsame Übergriffe auf Christinnen und Christen sowie auf Kirchen erheblich zugenommen. Für den neuen Weltverfolgungsindex 2019 untersuchte das überkonfessionelle Hilfswerk im Berichtszeitraum vom 1. November 2017 bis 31.Oktober 2018 die Situation von Christen in 150 Ländern. Die jährlich veröffentlichte Rangfolge listet die 50 Staaten auf, in denen Christen aufgrund ihres Glaubens am stärksten verfolgt und benachteiligt werden. China China (von Platz 43 auf 27) gelte laut Open Doors als Paradebeispiel für die wachsende Unterdrückung der Glaubensfreiheit durch ein immer repressiveres Regime. Am 1. Februar 2018 traten neue Vorschriften für religiöse Angelegenheiten in Kraft. Zahlreiche Kirchen und christliche Einrichtungen mussten schliessen oder wurden zerstört. Gottesdienste werden videoüberwacht, Pastoren in Umerziehungslagern inhaftiert. An einer Reihe von Kirchen verbieten Schilder Besuchern unter 18 Jahren den Zutritt, so das Hilfswerk. Nordkorea Im Hinblick auf Personenkult und Kontrolle seiner Bürger sei Nordkorea jedoch weiterhin beispiellos. Das Land belegt seit 2002 den ersten Platz auf dem Weltverfolgungsindex wegen der dortigen extremen Verfolgung von Christen. Der religiöse Nationalismus erhöht den Druck auf Christinnen und Christen Regierungen in der Türkei, in Myanmar und Laos, aber auch in Indien erhöhen den Druck auf Christen sowie auf andere religiöse Minderheiten, Gefahr durch Extremisten Nach Gebietsverlusten im Nahen Osten infiltrierten Kämpfer des IS und andere militante Islamisten weitere Länder der Region, so etwa Libyen und Ägypten. Hinzu kämen Länder in Asien und südlich der Sahara. Im islamisch dominierten Norden Nigerias werde Christen bereits seit vielen Jahren verfassungsgemässe Rechte sowie Versorgung und Schutz verweigert. Hier seien mit 3‘731 mehr Christen um ihres Glaubens willen ermordet worden als in allen anderen Ländern zusammen. Auch bei Angriffen auf Kirchen (569) stünde Nigeria an erster Stelle. 700 Millionen Christinnen und Christen bedroht In den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex leben etwa fünf Milliarden Menschen, von denen sich rund 700 Millionen zum christlichen Glauben bekennen. Seit 1955 setzt sich das christliche Hilfswerk Open Doors mit umfangreichen Hilfsprojekten für verfolgte Christen aller Konfessionen ein, heute in über 60 Ländern. Bildlegende: Verfolgungsindex 2019, © Open Doors Quelle: Mediendienst APD Open Doors


Ökumenischer Studientag am 14. Februar 2019

Am 14. Februar 2019 findet an der Uni Fribourg der zweite gemeinsame Studientag statt, der von der Neuapostolischen Kirche und der AGCK Schweiz unter der Ägide von Professorin Barbara Hallensleben organisiert wird. Er steht allen offen, die im kirchlichen Umfeld leben und arbeiten und ökumenisch interessiert sind. Nach der erfolgreichen Durchführung des ersten Studientages in November 2017 zur Frage des Lebens nach dem Tod wird der diesjährige Tag das „Gebet im Alltag“ beleuchten: Zwei Einstiegsreferate und Impulse aus sechs christlichen Traditionen werden sich mit dem Ausruf von Paulus „Betet ohne Unterlass!“ (1 Thess 5,17) auseinandersetzen und die Bedeutung des Gebets als Quelle christlichen Lebens und Grundlage theologischen Nachdenkens hinterfragen. Am Nachmittag laden kleinere Gesprächsgruppen zur persönlichen Vertiefung ein. Der Studientag „Gebet im Alltag“ am 14. Februar 2019 bildet den Auftakt zu einer dreiteiligen Reihe unter dem Oberthema „Betet ohne Unterlass“. Die Folgetagungen stehen unter dem Thema „Gebet in Gemeinschaft und Gemeinde“ (13. Februar 2020) und „Gemeinsames Gebet in der Ökumene“ (18. Februar 2021). Programmflyer Anmeldung (empfohlen)


70-Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Anlässlich des 70-Jubiläums der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (UN-Menschenrechtscharta) haben die römisch-katholische, die christkatholische und die reformierten Kirchen der Schweiz in Verbindung mit den Freikirchen ein fiktives Gespräch zwischen der jüdischen Philosophin Hannah Arendt, dem reformierten Theologen Karl Barth und Papst Johannes XXIII. protokolliert. Aus dem Jenseits, aber alles andere als jenseitig, melden sich die drei Zeitgenossen zu Wort und finden dabei erstaunliche Übereinstimmungen in ihrem Denken. Ihr Gespräch zwischen Pfeifenrauch und Aufbruchsgeist ist weniger ein himmlischer Rückblick als vielmehr eine topaktuelle Kritik. Wenn jeder nur einseitig auf seinem Menschenrecht besteht, gibt es kein friedliches Miteinander, sondern „eine Prügelei“, wie Karl Barth bemerkt. Hannah Arendt stimmt zu: Die Menschenrechte könne man nicht wie ein Schild vor sich hertragen. Das schafft Abstand statt Begegnung. Und für Papst Johannes XXIII. wird mit den Menschenrechten die Würde der Person für alle Menschen anerkannt, Gerechtigkeit damit zu einem anderen Wort für Frieden. Am 10. Dezember 1948 unterzeichnete die UN-Vollversammlung die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Diese Rechte gelten für alle Menschen ungeachtet ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihrer Nationalität. Inzwischen nehmen wir sie oft als selbstverständlich wahr, und doch geraten die Menschenrechte immer wieder unter Druck. Aktion zum Menschenrechtstag der Landeskirchen: Fiktives Gespräch zwischen Arendt, Bart und Johannes XXIII