EVP Schweiz lanciert Charta der Religionsgemeinschaften

Am 22. August hat die Evangelische Volkspartei der Schweiz (EVP) die Charta für Religionsgemeinschaften vorgestellt. Die Charta enthält 22 Leitsätze für ein friedliches Zusammenleben der Religionsgemeinschaften in der Schweiz, die von der EVP zur Diskussion gestellt werden. Sie basiert auf den Menschenrechten und soll eine Antwort auf die religionspolitischen Herausforderungen durch die zunehmende Religionsvielfalt sowie ein Instrument des Dialogs und der Zusammenarbeit sein.

 „Damit in einer pluralistischen Gesellschaft ein Dialog auf Augenhöhe und ein friedliches Neben- und Miteinander möglich ist, braucht es Leitlinien für das Zusammenleben unterschiedlicher religiöser Gruppen“, begründet Marianne Streiff, EVP-Parteipräsidentin die Entwicklung der Charta.

„Die Charta kann für Religionsgemeinschaften eine Möglichkeit sein, sich öffentlich zu den Werten unserer Gesellschaft und zu unserem Rechtssystem zu bekennen und damit Akzeptanz und Vertrauen zu schaffen“; das sei laut Marianne Streiff eine wichtige Intention der Charta. Mit ihrer Unterschrift könnten Religionsgemeinschaften somit ihre aktive Bereitschaft zur gesellschaftlichen Integration bezeugen.

Ausgangspunkt der Charta ist die Menschenwürde. Sie legt den Fokus auf die Rechte und Pflichten, die mit der Religionsfreiheit verbunden sind. „Alle Rechte gehen einher mit der Pflicht, sie auch für andere zu akzeptieren. So entfaltet die Charta auch präventive Wirkung, in dem sich die Religionsgemeinschaften verpflichten, sich gegen Hassaufrufe zu stellen oder Dialog als Konfliktlösungsansatz zu priorisieren“, erläuterte der Berner EVP-Grossrat Marc Jost.

Die Charta erlaubt und anerkennt im Gegensatz zu vielen anderen Dokumenten ihrer Art die Vielfalt der Gemeinschaften – auch innerhalb einer Konfession. Sie legt damit Wert auf den intra-religiösen und nicht nur den interreligiösen Dialog. Einziges Kriterium zur Unterzeichnung der Charta ist die Bereitschaft der Religionsgemeinschaften, sich im Sinne einer Selbstdeklaration zu deren Leitsätzen zu verpflichten. Es sind keine Kriterien wie Grösse oder rechtliche Anerkennung der Religionsgemeinschaft definiert. Die Charta thematisiert unter anderem Machtfragen, die Förderung demokratischer Strukturen in der Religionsgemeinschaft, die Beteiligung von Frauen und Männern bei der Entscheidungsfindung, den professionellen Umgang mit Menschen in Not (Seelsorge) sowie Transparenz in der Führung und bei den Finanzen.

Zur Charta

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Weltweite Evangelische Allianz ruft 2020 zum globalen Jahr der Bibel aus

Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) hat das Jahr 2020 zum Jahr der Bibel erklärt, das im September 2019 beginnen soll. Laut dem WEA-Generalsekretär, Bischof Efraim Tendero, sollen weltweit evangelische Christinnen und Christen häufiger in der Bibel lesen und mehr in deren Übersetzung und Veröffentlichung investieren.

 Im Rahmen des „Jesus Global Youth Day” vom 8. bis 10. August in der philippinischen Hauptstadt Manila hob Bischof Efraim Tendero die beispiellose Rolle der Bibel in über tausend Jahren Weltgeschichte hervor: „Weist auf die Bibel und den Schöpfer hin, dessen Wort wahr, rechtschaffen und für immer gültig ist“, appellierte Tendero an die jungen Christinnen und Christen, die daran teilnahmen.

Einjährige Initiative startet im September 2019
"
Wir werden die Bedeutung der Bibel als dauerhafte Grundlage für die Förderung von Einheit, Freiheit, Entwicklung und Lebensqualität heute und in den kommenden Jahren hervorheben", so der Generalsekretär der WEA). Die einjährige Initiative wird am 15. und 16. September offiziell im Museum of the Bible in Washington, DC, gestartet. Anschliessend wird damit gerechnet, dass Allianzen in den Mitgliedsländern nationale Initiativen starten.

Die Ziele des Bibeljahres
Die WEA hat sich folgende Ziele für dieses Bibeljahres festgesetzt:

  • Zunehmendes und reflektierendes Lesen der Bibel durch Einzelpersonen und Gemeinschaften auf der ganzen Welt;
  • Übersetzung, Veröffentlichung und Verbreitung der Bibel in so vielen Sprachen, wie sie benötigt wird;
  • Menschen, insbesondere der jüngeren Generation, sollen in allen Lebensbereichen Ressourcen bereitgestellt werden, die eine bessere Auseinandersetzung mit der Bibel ermöglichen.

Webseite Bible 2020

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Neues Gastmitglied beim Bund der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein

Am 23. März 2019 fand die diesjährige Bundesversammlung des Bundes Evangelisch-Lutherischer Kirchen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein (BELK) in Basel statt. Aus allem Mitgliedskirchen des BELK waren die Delegierten angereist. Der BELK ist auch dieses Mal wieder gewachsen. Nach der finnisch-lutherischen Kirche in der Schweiz (2017) und der dänisch-lutherischen Kirche in der Schweiz (2018) wurde nun die schwedische, lutherische Kirche Zürich-Basel als Gastmitglied aufgenommen.

 

Als Gast in der Versammlung wurde Cordelia Vitiello begrüsst. Sie gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien und ist Mitglied des Rates des Lutherischen Weltbundes (LWB). Sie berichtete über die diakonische Arbeit ihrer Heimatkirche in Italien sowie über die Strategie des LWB und seine Bedeutung für die Mitgliedskirchen.

 

Fotolegende

Das Foto zeigt die Unterzeichung der Gastmitgliedschaft durch Pfr. Magnus Nordström (schwedische Kirche, stehend) und Pfr. Jörg Winkelströter (Präsident des BELK, sitzend).


Frieden und Gerechtigkeit für die ganze Schöpfung – 30 Jahre Erste Europäische Ökumenische Versammlung in Basel

Pfingsten ist ein Wunder Jahr für Jahr. In unseren Kirchen, kleinen und grossen, bläst der gleiche Geist auf uns. Wir gehören zusammen. Und wir gehören hinaus in die Welt: auch in ihr wirkt der Geist Gottes.

Ein doppeltes Wunder wird an Pfingsten lebendig. In einer Welt, die auseinanderstrebt, gehen wir aufeinander zu. Und in Gemeinden, die sich nur mit sich selbst beschäftigen könnten, werden wir hinausgeschickt in die Welt.

An Pfingsten 1989 in Basel, bei der Ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung, war dieses doppelte Wunder ganz stark zu spüren. Die Aufbrüche in Mittel- und Osteuropa brachten Bewegung in einen zweigeteilten Kontinent. Das grössere Europa, bis zum Ural und zum Kaukasus, hatte man zwar gerade in der Schweiz nie ganz vergessenen. Aber selten wurde es so eindrucksvoll als kirchliche Gemeinschaft sichtbar wie an Pfingsten 1989 in Basel.

Viele Schwestern und Brüder aus mittel- und osteuropäischen Ländern nahmen teil und brachten sich ein. Wir gehören zusammen, das wurde im Singen, Beten und Feiern, im Hören auf das Wort und im Teilen so vieler unterschiedlicher Gaben und Begabungen erfahren. Solche Momente machen dankbar und zuversichtlich. Sie bleiben ein Leben lang in Erinnerung.

Das ist das eine Wunder, das kirchliche Wunder von Pfingsten 1989 in Basel: Kirche europaweit und weltoffen über Grenzen hinweg vom Geist bewegt und geeint.

Das andere Wunder war und ist die weitgehend friedliche politische und gesellschaftliche Wende in Europa. Was ein halbes Jahr später Realität wurde in vielen Staaten, eine friedliche Revolution, deutete sich an Pfingsten 1989 schon an. Mit viel Hoffnung und nicht weniger Furcht: das Gleichgewicht des Schreckens mit Massenvernichtungswaffen auf beiden Seiten schien sich nicht auflösen zu können ohne Opfer und Zerstörung. Dass es anders kam, war nicht abgemacht. Es war und ist ein Wunder.

Dieses zweite Wunder, das politische Wunder von 1989 kann gar nicht genug in Erinnerung gerufen werden. Es widersprach und widerspricht dem «Lauf der Dinge». So wie der Geist von Pfingsten. Ihm verdankt es sich, nicht nur dort, aber sehr sichtbar auch dort, wo kirchlich Engagierte friedensbildend wirkten.

Nicht erst 30 Jahre später sind Ernüchterung und Enttäuschung eingetreten. Alte und neue Konflikte, alte und neue Ungerechtigkeiten, zunehmender Verfall einer zunehmend unübersichtlichen Welt prägen das öffentliche Bewusstsein. Europa geht es nicht gut, und den Kirchen geht es nicht gut in Europa. Die Ökumene hat ihre weiten Schwingen wieder eingefaltet, sie scheint auf steinigen Pfaden zu pilgern, mit wunden Füssen.

Das zumindest ist das Bild, das wir uns machen und das sich festsetzt. Das doppelte Pfingstwunder von Basel 1989 wird aus diesem Bild ausgeblendet. Aber kann man Wunder zurücknehmen? Wo Wunder geschehen sind, drängen sie zum dankbaren Erinnern und zum mutigen Aufbruch. Zum Leben aus den Wundern Gottes heraus. «Ich will erzählen von all deinen Wundern» betet der Psalmist. Immer und immer wieder.

Und dann ändert sich der Blick. Wir sehen dann die wunderbare Enzyklika Laudato si 26 Jahre nach Basel 1989 – es ist ganz offensichtlich, wie sehr dieser grosse Wurf eines kirchlichen Lehrtexts zum gemeinsamen Haus der Erde von der Ersten ökumenischen Versammlung beeinflusst ist. Wir sehen, wie hellsichtig die ökumenische Versammlung von Pfingsten 1989 schon früh den menschengemachten Klimawandel zu einem Hauptthema gemacht hat – in Zusammenarbeit mit der Europäischen Physikalischen Gesellschaft. Kirche – und Welt, auch hier. An vielen kirchlichen Orten werden die Anstösse von damals umgesetzt, im Alltag. Freilich kommt dann der Teufel im Detail. Aber zählt nicht eher der Geist, der Teufel austreibt und Teufelskreise aufbricht?

Es geht weiter. So wie die Apostelgeschichte nach Pfingsten weitergeht. Pfingsten steht in Kapitel 2. Es folgen noch 26 weitere Kapitel – mit wundervollen Durchbrüchen, mit mutigen Versöhnungen, mit der Ausbreitung des Evangeliums und dem Wachsen der jungen Kirche. Und mit Rückschlägen, Gefangenschaft, einem Erdbeben, einem Schiffbruch.

Folgen wir den weiteren Kapiteln der Geschichte des Basler Pfingstwunders von 1989: «Frieden und Gerechtigkeit für die ganze Schöpfung». Und schreiben wir daran mit. Der Geist führt uns die Feder.

Pfarrer Dr. sc. Otto Schäfer
Im Auftrag der AGCK Schweiz

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Verein „Christian Public Affairs“ gegründet

Am 20. Mai haben christliche Verbände und Organisationen in der Schweiz den Verein „Christian Public Affairs“ (CPA) gegründet, um ihren Interessen in der Bundespolitik und in der Gesellschaft mehr Gehör zu verschaffen.

„Christian Public Affairs“ will den Gesetzgebungsprozess auf der Basis christlicher Werte konstruktiv mitprägen und versteht sein Engagement als Dienst an der Gesellschaft. Die Vereinsmitglieder nehmen soziale und politische Verantwortung wahr, indem sie sich prominent für folgende Themen einsetzen: Bewahrung der Schöpfung, Schutz der persönlichen Würde, Menschenrechte, Gerechtigkeit und Schutz der Religions-, Glaubens- und Gewissensfreiheit. CPA agiert jeweils im Auftrag der Mitglieder für ausgewählte politische Anliegen.

Zu den Gründungsmitgliedern gehören die Heilsarmee, die Schweizerische Evangelische Allianz SEA-RES, Freikirchen Schweiz VFG, ERF Medien, HMK Hilfe für Mensch und Kirche sowie ethik22 Institut für Sozialethik. Drei weitere Institutionen prüfen einen Beitritt.

Der Verein wird geleitet von Christine Volet (Heilsarmee, Präsidentin) und Marc Jost (SEA, Vizepräsident) und hat zwei Mitarbeiter mit Teilpensen mandatiert: Paul Mori (Sonderbotschafter Heilsarmee) und Michael Mutzner (Mediensprecher Réseau évangélique suisse RES).

Bildlegende
Die Gründungsdelegation v.l.n.r.: Peter Schneeberger (VFG), Linus Pfister (HMK), Christina Sasaki-Wallimann (ethik 22), Michael Mutzner (RES), Paul Mori (Heilsarmee), Chistine Volet (Heilsarmee, Präsidentin), Marc Jost (SEA). Auf dem Bild fehlt Hanspeter Hugentobler (ERF). Foto: © SEA/RES

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Die Gesprächskommission AGCK.CH – NAK publiziert ihren Schlussbericht

Am 15. Mai 2019 hat die Plenarversammlung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz den Abschlussbericht der Gesprächskommission mit der Neuapostolischen Kirche in der Schweiz entgegengenommen und die Arbeit der Kommission beendet. Somit geht nach 17 Jahren eine intensive Zeit der theologischen Gespräche zu Ende. Weitere Gespräche und die Beziehungen werden zukünftig im Rahmen der AGCK.CH oder bilateral geführt und gepflegt.

Nachhaltige ökumenische Öffnung
Im Bericht legt die Gesprächskommission Rechenschaft ab über die ganze Zeit der Entwicklung von ersten ökumenischen Kontakten bis hin zur ökumenischen Zusammenarbeit zwischen Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH) und Neuapostolischer Kirche in der Schweiz (NAK). Inhaltlich liegt der Schwerpunkt des Berichts auf den Jahren 2013 bis 2019 und den in dieser Zeit erarbeiteten Unterlagen und weiterentwickelten Beziehungen. In dieser Zeit wurde die NAK in vielen ökumenischen Gremien sowohl in der Schweiz wie im benachbarten Ausland Vollmitglied oder erhielt einen Gaststatus. Die Gesprächskommission hält fest, dass die Entwicklung innerhalb der NAK als nachhaltig beurteilt werden kann.

Keine extremen Positionen
Zu den strittigen theologischen Themen – Sakramente, Kirchenverständnis, das Leben nach dem Tod – wurden intensive Gespräche geführt. Diese hatten innerhalb der NAK vertiefende und klärende Gespräche zur Folge. Deutlich wurde dabei, dass das Spektrum von theologischen Vorstellungen innerhalb der AGCK.CH durch die NAK vergrössert wird. Es gibt jedoch keine extremen Positionen, die eine fruchtbare Zusammenarbeit stören würden. Die Gesprächskommission kann die Klärungsphase positiv abschliessen. Aus Sicht der Gesprächskommission steht einer Vollmitgliedschaft der NAK bei der AGCK.CH nichts im Wege.

Dank an der Gesprächskommission
An der Plenarversammlung in Zofingen verdankte der Präsident der AGCK Schweiz Pfarrer Daniel de Roche den Mitgliedern der Gesprächskommission und vor allem derer Präsidentin Pfarrerin Claudia Haslebacher (EMK) für ihr Engagement und beendete ihren Auftrag.

Zum Abschlussbericht

 


Der Schweizer Predigtpreis wird zum 3. Mal ausgeschrieben

 

Zum dritten Mal wird der Schweizer Predigtpreis ausgeschrieben. Wer über ein Mandat zum Predigen in einer Schweizer (oder mit der Schweiz verbundenen) Kirchgemeinde oder Pfarrei verfügt, ist zur Teilnahme eingeladen.

Mit dem Schweizer Predigtpreis will der Schweizerische Evangelische Kirchenbund die reformatorische Tradition der Wortverkündigung fördern und so den christlichen Glauben lebensnah zur Sprache bringen. Der Schweizer Predigtpreis wird 2020 zum dritten Mal nach 2014 und 2017 vergeben. Mitmachen können auch Vertreterinnen und Vertreter anderer Konfessionen. Übrigens: 2017 durfte der römisch-katholische Priester Erich Haering einen Preis gewinnen.

Flyer
Teilnahmebedingungen


Plenarversammlung der AGCK Schweiz vom 15. Mai

Die Plenarversammlung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz fand am 15. Mai 2019 in der Neuapostolischen Kirche in Zofingen (AG) statt. Einer der wichtigsten Punkte der Tagesordnung bildete der Schlussbericht der Gesprächskommission AGCK.CH – NAK Schweiz.

Erstmals war die Neuapostolische Kirche Schweiz Gastgeberin einer Plenarversammlung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH). Bezirksapostel Jürg Zbinden begrüsste die Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedskirchen und der Mitglieder mit Gaststatus sowie die Mitglieder der Gesprächskommission AGCK.CH – NAK Schweiz, die aus aktuellem Anlass ebenfalls eingeladen worden waren.

„Die Sach ist Dein Herr Jesus Christ“
Vor der eigentlichen Versammlung hielt der Bezirksapostel eine Andacht, der er das Bibelwort aus Matthäus 28,16-20 zugrunde legte. Nach dem gemeinsam gesungenen Lied „Die Sach ist Dein Herr Jesus Christ“ führte er unter anderem aus: „Das ökumenische Bemühen gläubiger und von ihrer Mission erfüllter Christinnen und Christen ist manchen Widerständen ausgesetzt – heute weniger äusserer Art, als oft vielmehr in Form von innerer Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit. Gerade da sind wir als Christen gemeinsam gefordert, uns in die von Jesus vom Vater erbetene Einheit im Glauben führen zu lassen und dadurch Zeugnis in Wort und Dienst abzulegen“.

Schlussbericht der Gesprächskommission AGCK.CH – NAK Schweiz
Pfarrerin Claudia Haslebacher, Präsidentin der Kommission, präsentierte den Schlussbericht der Gesprächskommission. Die Ende März 2013 eröffnete 2. Phase der Gesprächskommission hatte seither die ökumenische Öffnung der Neuapostolischen Kirche (NAK) begleitet, Gespräche über strittige theologische Fragen ausgeführt. Die Gesprächskommission hält in ihrem Bericht fest, dass sie die Entwicklung innerhalb der NAK als nachhaltig beurteilt und dass die NAK die Erklärung zur gegenseitigen Taufanerkennung von Riva San Vitale vorbehaltlos unterzeichnen kann. Der Schlussbericht wurde durch die Plenarversammlung entgegengenommen.

Statutarischer Teil
Weitere Traktanden waren die Berichte des Präsidenten Pfarrer Daniel de Roche, der Generalsekretärin sowie der Mitgliedskirchen und kantonalen AGCK’s, die Abnahme von Jahresrechnung und Revisionsbericht 2018 und das Budget 2020.

Thematischer Teil
Unter dem Titel „Krise des Menschen“ befassten sich die Teilnehmer nach einem Einführungsvortrag von Frau Prof. Dr. Georgiana Huian, rum.-orth. Theologin und Philosophin, mit möglichen ethischen, liturgischen und pastoralen Antworten auf die Krise des Menschen.


Respekt für Notre-Dame von Paris

Notre-Dame ist verbrannt in der Nacht vom 15. auf den 16. April 2019. Ihr Turm in der Mitte (flèche) brach zusammen. Die Welt weint, die Franzosen betrauern ein Erbe, das ihnen teuer und nahe am Herzen ist, mehr als achthundert Jahre Geschichte, Geschichten, Filme, vierzehn Millionen Besucher pro Jahr. Paris beweint einen Teil seines Herzens, es ging in Rauch auf. Aber wenn wir die Berichte in den Medien zu Herzen nehmen, wenn wir uns diese schrecklichen Bilder anschauen, können wir auch aus einem anderen, tieferen Grund weinen.

Notre-Dame von Paris ist auch eine Blutzeugin. Sie symbolisiert die Weigerung der Menschen für Gerechtigkeit zu kämpfen,  sie symbolisiert den Verzicht auf den Kampf für das Gemeinwohl, für eine bessere Welt. Die Erbauer der Kathedrale waren verrückt! Narren Gottes, sagen einige, die darin die Gefahr des Fanatismus, des Proselytismus sehen wollen. Aber sie waren auch erfüllt von Kühnheit, nach Gleichgewicht, trunken von Licht und Farbe! Sie waren dem Himmel zugewandt, nach oben orientiert, auf der Suche nach  dem anderen möglichen Leben, auch wenn so zerbrechlich, dass sogar der Stein zu Spitzerei wurde. Die Erbauer der Kathedralen waren Kameraden, sie hatten sich zusammengeschlossen und wetteiferten zusammen mit Fähigkeiten und Technik, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: Schönheit, Atem und Licht, Stein geworden an Orten, um Gott dem Schöpfer die Ehre zu geben.

Natürlich werden einige sagen, ein herausragendes Symbol der religiösen Macht ist verbrannt. Und dass es  an der Zeit dafür war. Denn heute führt alles Reden über Religion zu Angst und Misstrauen. Denn man will die Religion aus dem Alltag, aus der Bildung, aus den Themen des Nachdenkens verbannen. Während dieser dramatischen Stunden war ich  über die Scheu der Medien erstaunt, ja verärgert zu benennen, dass es sich um einen christlichen Ort und ein Symbol des Glaubens handelt. Als das ausgesprochen wurde, war es sehr schnell notwendig auch zu sagen: ja, aber es ist nicht nur ein christlicher Ort. Es ist auch ein weltlicher, ein historischer Ort! Ein wenig, als ob es notwendig wäre, wüste Wörter schnell durch andere zu ersetzen, die korrekter sind! Fast so, wie man Kindern den Mund mit Seife wäscht, wenn sie hässliche Wörter gesagt haben: Das Spirituelle muss aus der Welt, das ist das neue Dogma! Unsere ausserordentlich säkularisierten und laisierten  Gesellschaften sind so weit, dass die allgemeine Wahrheit auf ihrer Seite ist und sie nehmen nichts mehr von der Spiritualität wahr, die jedem Menschen innewohnt. Jetzt glaubt die Welt an den Menschen, an die Wirtschaft, an den Laizismus!

Der schreckliche und zugleich faszinierende Einsturz des Turms der Kathedrale veranschaulicht traurigerweise diese Realität. Als ob die Notre-Dame von Paris trotz ihrer selbst geschrumpft ist vor dem Aufkommen einer Ära, in der der Glaube, die Spiritualität, das Nachdenken über Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung abwesend sind und als subversiv ja bedrohlich für die unbegrenzte Macht der Mächtigen und des Geldes gehalten werden. Man darf glauben, aber nur zu Hause, für sich selbst, privat und ohne zu stören. Andererseits, um vieles zu besitzen, um schimpfen zu können, ohne Grenzen verschmutzen zu können, für den persönlichen Komfort die Natur auszubeuten da will man freie Fahrt für jeden und jede, der und die es wünscht!

Dieses Feuer zerreisst mir das Herz, wie Millionen von Menschen. Wie der Pariserin im französischen Fernsehen, die sagte: "Wir sind eins, in Gemeinschaft verbunden durch Trauer und Hilflosigkeit.“ Verbunden, ja. Aber warum brauchen wir eine Kathedrale, die einstürzt, um zueinander zu finden? Die Katastrophe von Notre-Dame sollte uns dazu bringen, über die vertikale Dimension des menschlichen Lebens nachzudenken. Was ausser Bildung, Geld, Wohlbefinden, was lässt uns aufrecht stehen? Wir könnten auch Bauleute werden, es wagen, unsere Kühnheit gen Himmel wachsen zu lassen! Wir könnten das Zerbrechliche unseres Weltgebäudes akzeptieren, in dem wir leben, und miteinander wetteifern in Fähigkeiten und Intelligenz, um die Schöpfung, den Planeten und die Menschheit zu bewahren. Die Erbauer der Kathedralen redeten nicht nur, reihten Reden an Reden und träumten von Macht! Sie arbeiteten mit ihren Händen, ihren Werkzeugen, und vor allem fanden sie Nahrung in ihren Träumen! Sie wurden für verrückt gehalten, aber die Kathedralen, die sie zurückliessen, sind Zeugen der Tatsache, dass ihre Verrücktheit ein Wurf ohne Grenzen war, der uns heute noch überholt.

Notre-Dame von Paris hat gebrannt. Über das Drama europäischen Ausmasses hinaus, jenseits der Traurigkeit von denen, die sie besucht haben, die da etwas wichtiges erlebt haben, jenseits der verlorenen oder verwüsteten historischen Schätze, beklagen wir  auch die Entwurzelung des Menschen, der in Angst und Verzweiflung auf sich selbst zurückgegriffen hat. Die Welt hat ihre Wurzeln im Himmel verloren, und die Muttergottes/notre Dame hat es uns gerade gesagt, trotz ihrer selbst, auf dramatische und fast unheilbare Weise.

Solidarität wird es geben. Millionen werden sicher für den Wiederaufbau freigegeben werden. Aber ich frage mich heute, wie viele Millionen sind wir bereit zu finden, um zu verhindern, dass die Kathedrale, unser Planet, vollständig zerstört wird, zerstört durch die Macht des Geldes und die Gott gleiche Wirtschaft, durch ungebremsten Konsum ? Ich frage mich, wie viele Millionen wären wir bereit zu sammeln, um Beziehungen zu knüpfen, um gegen Vereinfachungen, Verkürzungen Dummheit und Hass zu kämpfen. Ich frage mich, wie viele weitere Kathedralen Türme noch in Flammen aufgehen müssen, bis wir verstehen, dass wir alle miteinander in Beziehung stehen; wenn wir nicht aufhören, auf unsere Füße zu schauen, unsere Augen abzuwenden, den Inhalt unserer Portemonnaies zu zählen, wenn wir nicht aufhören, den anderen als Feind zu betrachten, können alle Kathedralen der Welt brennen und fallen, es wird sich nichts ändern.

Respekt für Notre-Dame von Paris, für die Erbauer, die mit Licht, Glas, Stein und einem langen Atem gebaut haben. Respekt für diejenigen, die dafür kämpfen, so viele wie möglich zu erhalten. Und mit der gleichen Logik, Respekt für die Männer und Frauen, die dafür kämpfen, Beziehungen zu knüpfen, um zu heilen, zu lieben und um zu geben. Respekt für die, die für die Rettung der Kathedrale Erde kämpfen, die das dringend nötig hat.

Angst ist ein schlechter Berater, in allen Belangen. Sie nagelt am Boden fest, es scheidet, sie trennt. Hoffnung und Glaube blicken nach oben, zu den Blicken der andern, zum Himmel.

Ja, Respekt für Notre-Dame von Paris, die uns traurig wie sie ist, eine dringende Botschaft sendet: Bitte, werft nicht alle spirituellen, weltweiten Überlegungen über Bord, aber ohne religiöse Abgrenzungen und ohne Bekehrungsversuche, sondern ein gemeinsamer Kampf, eine gemeinsame Hoffnung, um die Menschheit und die Schöpfung zu bewahren!

Marie-Laure Krafft Golay, ev.-ref. Pfarrerin
Aus dem Französischen von Daniel de Roche übersetzt

 


Resonanzräume für eine relevante Theologie

Die 6. Studientage „Das gute Leben – Resonanzen in Theologie, Kirche und Gesellschaft“ mit Hartmut Rosa, Miroslav Volf und Wim Wenders (u.v.m) finden vom 12. bis am 15. Juni 2019 an der Universität Fribourg statt. Könnte die ehemalige Leitwissenschaft Theologie, inzwischen weitgehend marginalisiert, neue Strahlkraft gewinnen? Was hätte dies mit den Lebensbedingungen in der Spätmoderne zu tun? Und welche Rolle würde die Kunst dabei spielen? Diesen Fragen gehen Wim Wenders, Hartmut Rosa und Miroslav Volf an den sechsten Studientagen zur theologischen und gesellschaftlichen Erneuerung nach.

Wim Wenders, Hartmut Rosa und Miroslav Volf, die man alle kaum vorstellen muss, werden die Wahrnehmungen unserer Wirklichkeit, die sich in ihrem Werk spiegeln, in ein Gespräch einbringen, bei dem sich – so hoffen die Veranstalter – fruchtbare Konvergenzen und ein Zusammenklang, der mehr ist als die Summe aller Einzelstimmen, ergeben werden. Das wäre dann genau ein Phänomen von Resonanz: Im schönsten Fall öffnen sich dem liebevollen Blick Möglichkeiten des guten Lebens, in denen das Erbe christlicher Theologie plötzlich, und vielleicht überraschend, wieder attraktiv und relevant erscheint.

Die Freiburger Studientage zur theologischen und gesellschaftlichen Erneuerung wollen spannende, wissenschaftliche Theologie auf höchstem Niveau, aber für alle Interessierten (auch ohne theologische Vorbildung) zugänglich, existentielle Relevanz und praktische Bedeutung für Kirche und Gemeinde miteinander verbinden. Sie finden seit 2014 jeweils mit mehreren hundert Teilnehmern statt. Sie sind Ort einer neuen und intensiven ökumenischen Erfahrung: Christinnen und Christen aus Denominationen, die die ganze Breite der Christenheit von den Freikirchen bis zur östlichen Orthodoxie repräsentieren, erfahren ein Christentum, das lebt und Zukunft hat.

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