100 Jahre nach der 1. Weltkirchenkonferenz in Stockholm

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22. August 2025, Stockholm: Teilnehmende der Ökumenischen Feier in der Filadelfia Kirche in Stockholm. | © WCC/Hillert

Ökumenische Woche würdigt «Stockholm 1925»

Mit einer Ökumenischen Woche feiert der Christenrat von Schweden vom 18.–24. August den 100. Jahrestag der 1. Weltkirchenkonferenz in Stockholm, damals ein wichtiger Schritt für die Gründung der modernen ökumenischen Bewegung. Der Christenrat von Schweden veranstaltete unter dem Motto «Zeit für Gottes Frieden» die Jubiläumsfeierlichkeiten vom 18.–24. August. Tausende von Teilnehmern und Teilnehmerinnen einschließlich globaler und nationaler Kirchenleitender, Vortragender und Entscheidungsträger und -trägerinnen waren an den Veranstaltungen dabei.  

Siehe Webseite des ÖRK (20. August 2025)

Rückblick auf die Konferenz von 1925

Vom 19. bis 30. August 1925 fand in Stockholm auf Initiative des schwedischen Erzbischofs Nathan Söderblom (1866-1931) die «Weltkonferenz für Praktisches Christentum» statt. Damals trafen sich zum ersten Mal Vertreterinnen und Vertreter aus der kirchlichen Praxis, um zu beraten, wie man künftig in Fragen des sozialen Miteinanders, im Umgang mit ethnischen Minderheiten, bei der Jugendarbeit sowie im Blick auf Frieden und Gerechtigkeit innerhalb der Kirchen enger zusammenarbeiten kann. Das «Kirchliche Leben», das «Praktische Christentum» («life and work») stand im Mittelpunkt. Oft wird  im Zusammenhang mit diesen Gesprächen die prägnante Formel «Lehre trennt – Dienst eint» zitiert. Aus 37 Ländern kamen über 600 Delegierte zusammen, darunter auch Frauen, wie die promovierte Theologin und Oberstudienrätin Carola Barth (1879-1959) und Elsa Brändström, vielfach ausgezeichnete schwedische Philanthropin (1888-1948).

Quelle: www.elk-wue.de/service/gedenktage/gedenktage-2025/19-august-1925-100-jahrestag-der-1-weltkirchenkonferenz-in-stockholm

War 1925 die römisch-katholische Kirche noch nicht mit dabei, besteht seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Vatikan und dem Ökumenischen Rat der Kirchen. So hat der Vatikan eine Botschaft von Papst Leo XIV an die Teilnehmenden übermittelt.

Ökumenischer Appell für den Frieden

https://youtu.be/HOK3l7AIUbU?t=3958

Deutsche Übersetzung «Zeit für Gottes Frieden – ein ökumenischer Appell»

  1. Liebe Schwestern und Brüder in Christus, wir versammeln uns in einer Zeit, die nach Frieden ruft. Einem Frieden, der nicht nur die Abwesenheit von Krieg ist, sondern von Gerechtigkeit und Versöhnung geprägt ist. In dieser Zeit ruft Gott uns – als Kirchen, als Glaubensgeschwister, als Mitmenschen – dazu auf, Träger des Friedens Gottes zu sein.
  2. 1925 versammelten sich Christen aus verschiedenen Ländern in ihrer Sehnsucht nach Frieden. Die schrecklichen Erfahrungen des Ersten Weltkriegs trieben uns in unserer Sehnsucht nach Frieden zusammen, um gemeinsam im Dienst der Welt zu stehen. Das Thema dieses ökumenischen Jahres, Zeit für Gottes Frieden, ist ein Aufruf, in unserer Zeit des Unfriedens und der Ungerechtigkeit für den Frieden zu wirken.
  3. Dies ist eine Erinnerung daran, dass die Aufgabe der Kirche nicht uns selbst, sondern der Welt gilt. Die Kirche ist berufen, ein Zeichen für das Reich Gottes zu sein – inmitten einer Welt, die von Spaltung, Gewalt und Ungerechtigkeit geprägt ist.
  4. Im Schatten der Erfahrungen von Krieg und Unterdrückung versammeln sich die Kirchen als Antwort auf Gottes Ruf, um ein Licht der Hoffnung zu entzünden und die Liebe des dreieinigen Gottes zu leben und zu verdeutlichen. Es ist eine Liebe, die sich in Jesus Christus offenbart und die Welt zu Einheit und Versöhnung treibt.
  5. Wir stehen zusammen – unterschiedlich in Traditionen, Sprachen, Kontexten und Ausdrucksformen – aber vereint in Christus. Unsere Einheit ist keine Uniformität, sondern eine Einheit in versöhnter Vielfalt, die Gottes schöpferische Liebe widerspiegelt. Und in dieser Vielfalt tragen wir eine gemeinsame Verantwortung: uns für den Frieden einzusetzen.
  6. Gottes Mission wirkt für den Frieden, indem sie Beziehungen heilt, Gerechtigkeit wiederherstellt und Gesellschaften verwandelt, in denen der Heilige Geist die Kirche dazu führt, ein Zeichen der Hoffnung in der Welt zu sein.
  7. Das Streben nach Frieden und die Möglichkeit der Versöhnung stehen im Mittelpunkt des gemeinsamen Zeugnisses der Kirchen. Wir ermutigen einander, uns gegen Gewalt zu stellen, den Dialog zwischen Religionen und Kulturen zu fördern und eine Stimme für diejenigen zu sein, die nicht gehört werden. Das ist keine Wahl – es ist eine Berufung Gottes.
  8. Gottes Frieden ist nicht passiv. Er ist aktiv. Er strebt nach Gerechtigkeit. Er baut Brücken. Er heilt Wunden und schafft Raum für Versöhnung. Er sieht den Menschen – jeden Menschen – als Ebenbild Gottes geschaffen. Deshalb können wir nicht schweigen, wenn Menschen vertrieben werden, wenn Hass gedeiht, wenn vom Menschen verursachte Klimaveränderungen die Zukunft des Lebens bedrohen. Gottes Friede betrifft die gesamte Schöpfung.
  9. Wir wissen, dass wir diese Aufgabe nicht aus eigener Kraft bewältigen können. Wir glauben an die Kraft des Heiligen Geistes – Gottes Heiligen Geist, der verbindet, Mut macht und uns zu Wahrheit und Liebe führt. Wenn wir gemeinsam beten, arbeiten und wandeln, werden wir zu Werkzeugen für Gottes Frieden.
  10. Möge dieses Jahr ein Aufruf zum Gebet, zum Handeln, zur Versöhnung sein. Eine Zeit für Gottes Frieden. Möge der Friede Christi, der alles Verstehen übersteigt, unsere Herzen und Gedanken bewahren. Und mögen wir als Leib Christi in der Welt Gott um die Gnade bitten, ein Volk des Friedens zu sein – in Wort und Tat.