Die Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen im Tessin (Comunità di lavoro delle Chiese cristiane nel Ticino, CLCCT) feiert ihr 20-jähriges Bestehen während der Gebetswoche für die Einheit der Christen. „Wir bitten um ein besonderes Gebet für unsere kleine Gemeinschaft im Tessin. Möge der Herr uns und alle Christen weiterhin mit seinem Heiligen Geist auf dem Weg der Einheit in der Vielfalt erleuchten“, sagte Don Rolando Leo, ihr Präsident. Das Motto der diesjährigen Woche der Einheit 2020 eignet sich hervorragend für das Jubiläum der Tessiner Ökumenischen Plattform: „Ci trattarono con gentilezza“. Die AGCK Schweiz wünscht ihrer Tessiner Schwester viel „Gentilezza“ und viel Beharren auf ihrem Weg zur Einheit!

In seiner Einladung schreibt Don Rolando Leo: „Es stimmt, dass die Reise dieser 20 Jahre ihre Tücken hatte; sie ist ein Tropfen auf den heissen Stein, aber wenn man sich vereint fühlt, spürt man die Gegenwart des Gottes Jesu Christi. Aber es wurden auch gemeinsam wichtige Schritte unternommen und der Weg geht weiter.“

Die Tessiner Christinnen und Christen sind zahlreich und aus historischen, geographischen und theologischen Gründen in verschiedene Kirchen und Traditionen aufgeteilt. Die unterschiedlichen liturgischen Traditionen machen den Reichtum der christlichen Welt aus. Die CLCCT trifft sich regelmässig mit den Vertretern ihrer neun Mitgliedskirchen. „Wir beten gemeinsam und erinnern uns an den Willen des Herrn, dass alle eins sein mögen. Dies ist die eigentliche Grundlage der Ökumene. Unser Ziel ist es, die gute Arbeit aller Kirchen sichtbar zu machen und sie miteinander zu verbinden. Wir lernen uns kennen, indem wir uns mit Wertschätzung und Respekt betrachten“, sagt Don Leo.

Predigt zum Thema der Gastfreundschaft
Während des ökumenischen Gottesdiensts sprach Reverend Canon Adèle Kelham, Verantwortliche für die Kirche von England in der Schweiz und Mitglied des Präsidiums der AGCK.CH, über die tiefgreifenden Veränderungen, die die Welt in den letzten 20 Jahren durchlaufen hat. Die Globalisierung bringt uns näher zusammen als je zuvor, aber die Anonymität und die Offenheit der Gesellschaft machen uns anfällig für Angriffe von Gruppierungen und Einzelpersonen, deren Argumente sich oft einer rationalen Betrachtung entziehen. Wir müssen nach Wegen suchen, wie man Raum für Unterschiedlichkeit öffnen kann, wie die Kirchen im Tessin, die heute den 20. Jahrestag ihrer ökumenischen Arbeitsgemeinschaft feiern, es machen. Gemeinsam suchen sie danach, wie die Einheit des Schöpfers in der Vielfalt der Schöpfung zum Ausdruck kommt, indem sie sich einander mit „gentilezza“ begegnen. Das bringt uns zurück zum roten Faden der Gebetswoche für die Einheit 2020.

Die Freundlichkeit drückt sich in der Gastfreundschaft, dem Mitgefühl und der Sympathie aus, die wir uns gegenseitig entgegenbringen, in der Unterstützung, die wir füreinander leisten, in der Fürsorge, die wir uns gegenseitig entgegenbringen: wir teilen, was wir haben, aber auch, wer wir sind, unsere Menschlichkeit!

Die Gastfreundschaft geht weiter als das Teilen einer Mahlzeit, sie ist eine Lebensweise, die meisterhaft im Nahen Osten praktiziert wird, wo Jesus sein irdisches Leben verbracht hat. So wie er es gelebt hat, kann man nicht authentisch gastfreundlich sein, indem man einige Menschen willkommen heisst und andere ausschliesst.

Adele Kelham erinnert uns daran, dass wir gerne einseitige Gastfreundschaft praktizieren. Wir akzeptieren Gastfreundschaft, solange wir in der Lage sind, uns zu revanchieren. Wer von uns hat sich in seinem Leben auf die Gastfreundschaft anderer verlassen (müssen)? Die Abhängigkeit von der Gastfreundschaft anderer macht uns verletzlich und konfrontiert uns mit einer Situation, die wir hassen: Kontrollverlust!

Fotoalbum, Gottesdienst 19. Januar 2020 in der Kathedrale von Lugano
Webseite der CLCCT