...und sie bewegt sich doch

Auf die Ökumene fallen weniger Glanzlichter. Doch sie befindet sich in einigen Umbrüchen. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz AGCK.CH hat 2016  Türen geöffnet und stellt sich neuen Herausforderungen.

Neue Statuten, eine religiöse Zeremonie anlässlich der Gottharderöffnung, verstärkte Beziehungen zu Freikirchen – die AGCK.CH erlebte 2016 ein intensives Jahr. 2017 werden neue Aufgaben dazu kommen sowie neue Personalien.

Die neuen Statuten traten zu Beginn des Jahres in Kraft. Ihnen ging ein langer Prozess voraus – wie sollte die AGCK.CH in Zukunft arbeiten? Das Ergebnis: Das Präsidium besteht weiterhin aus kirchenleitenden Persönlichkeiten der Mitgliedkirchen. Das Präsidium dauert zwei Jahre. Neu steht der Bezug zur Charta Oecumenica klar in der Präambel. Auch Kirchen im Gaststatus müssen dieser zustimmen.

In den Statuten ist die Beibehaltung eines Generalsekretariats für die AGCK.CH festgeschrieben. Denn die Aufgaben der nationalen Ökumene wachsen: Der Bund wandte sich etwa in Fragen der Palliativ care an sie, aber auch als Vertreterin der Christinnen und Christen in der Schweiz. Die Gesellschaft säkularisiert sich einerseits, andererseits wachsen die sozialen Aufgaben – und hier sind dann wieder die Kirchen gefragt. Und: Diese sollen möglichst mit einer Stimme sprechen, fordern Gesellschaft und Bund.

Wer spricht wann, wie und wo für die Christen?

Allerdings stellen sich gerade im Bereich der Vertretung der Mitgliedkirchen Fragen an die AGCK.CH: Wann ist sie und unter welchen Umständen die Stimme der Christen und Christinnen in der Schweiz? So betonte der Schweizerische Evangelische Kirchenbund etwa bei der Gotthard-Einweihung, dass er eigenständig aufzutreten wünscht. Hier besteht grundsätzlicher Klärungsbedarf.

2016 trafen sich die Spitzen des Vereins Freikirchen Schweiz VFG und die der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA mit Vertretern der AGCK.CH. Die Zusammenarbeit soll verstärkt werden, der Austausch wurde es bereits. Als ein Resultat kann ein weiteres ‚Ein Gebet voraus’ am Vortag des Bettags 2017 gelten, an dem sich die AGCK.CH massgeblich engagieren wird.

Gedenken und theologisches Nachdenken

Neben Verwaltung und der Kommunikation mit der kantonalen, aber auch der internationalen Ebene der Ökumene ist das Gebet mit- und füreinander und die theologische Arbeit ein wichtiges Thema. Neben der Gebetswoche für die Einheit der Christen wird 2017 auch im Juni ein Gebet zum Heiligen Geist um die Kraft zur Umkehr und neuen Wegen zur Gemeinschaft stattfinden. Dazu wird ein ökumenischer Gottesdienst in der Kathedrale Fribourg vorbereitet sowie eine vorgängige Gebetsaktion. Dazu kommen 600 Jahre Niklaus von der Flüe/500 Jahre Reformations-Gedenken mit Gottesdiensten und  vielfältigen Aktivitäten.

Theologische Fragen stellen sich auch zu den Vorstellungen der Konfessionen im Bezug auf das Leben nach dem Tod. Hier wird in Zusammenarbeit mit der Universität Fribourg ein Anlass vorbereitet. Ausserdem wünscht eine weitere Kirche die Taufanerkennung von Riva San Vitale von 2014 zu unterzeichnen.

Mehr wissen übereinander

Die Neuapostolische Kirche hat ihren Gaststatus in der AGCK.CH mit einem Flyer unterstützt. Dieser zeigt, was gemeinsam möglich ist und wo es Trennendes gibt. Dies war der Impuls dafür, dass sich im Laufe der nächsten Monate alle Mitgliedkirchen und die Kirchen im Gaststatus auf der Homepage in kurzer Form vorstellen. Die ersten Texte liegen bereits vor, einige auch in Französisch und Englisch.

Es geht darum, Antworten zu konfessionsverschiedenen Ehen, aber auch Glaubensgrundsätzen, besonderen Glaubensinhalten der jeweiligen Konfession und den Gemeinsamkeiten mit anderen Kirchen zu finden.

Personalien und Finanzen

Bischof Harald Rein, Christkatholische Kirche, übergibt am 1.1.17 sein Amt als Präsident an Bischof Denis Theurillat von der Schweizer Bischofskonferenz. Pfarrer Daniel de Roche, SEK, wurde vom Präsidium zum Vizepräsidenten 17/18 gewählt. Das Generalsekretariat wird im August 2017 neu besetzt. Christiane Faschon wird in den Ruhestand treten.

Weiter bestehen zur Finanzierung der AGCK.CH noch offene Fragen bei den grossen Kirchen. Die Mitgliedsbeiträge aller Kirchen wurden von 200 auf 500 Franken im Jahr erhöht; einige Kirchen haben ihre Betriebsbeiträge ebenfalls aufgestockt. Da die Aufgaben der AGCK.CH wachsen – wie auch die Professionalisierung – braucht es ein kompetentes Generalsekretariat. Denn das Präsidium wird jeweils im Nebenamt von den kirchenleitenden Personen ausgeübt, die jeweils bereits durch ihre Kernaufgaben stark gefordert sind.

Christiane Faschon, Generalsekretärin der AGCK.CH

 

 

 

 

 


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